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Auf Niederösterreich-Tour mit Schüssel, Molterer und Pröll

Von Veronika Gasser

Politik

Die Idee stammte von Landwirtschafts- und Umweltminister Wilhelm Molterer. Eine Tour durch die schönsten Regionen Niederösterreichs gemeinsam mit Landesvater Erwin Pröll und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Letzterer war auf den Spuren seiner Vergangenheit unterwegs, denn er war in jungen Jahren für das Waldviertel politisch zuständig.


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Die ÖVP-Politiker dachten: Die Köstlichkeiten des nörlichen Niederösterreichs sind wohl einen Tagesausflug durchs Waldviertel und die Wachau wert.

Zur Genussreise waren neben den zuständigen Referenten, auch eine Vielzahl von Journalisten geladen. So konnten Kontakte geknüpft und die Schönheit der Landschaft gewürdigt werden. Denn die Krisen der Landwirtschaft - ausgelöst durch BSE, Schweinemastskandal und MKS - hatten das Vertrauen der Bevölkerung auch in die heimische Lebensmittelproduktion erschüttert. Und gerade die Medien hatten bei dieser Verunsicherung einen nicht geringen Anteil. Ihnen sollte nun vor Ort vor Augen geführt werden, was im hektischen Medienalltag oft untergeht: Österreich hat eben auch seine sehens- und erlebniswerten Seiten. Will man diese nicht verlieren, muss man Geld und viel Arbeit in die Erhaltung dieser Kultur- und Naturgüter stecken.

"Krisen sind wichtig und notwendig", hob der Landeshauptmann hervor und erinnerte an den Weinskandal, welcher einen enormen Autschwung hin zu mehr Qualität gebracht hätte. Auch der Landwirtschaftsminister schloß sich dieser Meinung an und brach eine Lanze für Österreichs Bauern. Sie seien die Garanten für Vielfalt, Qualität und regionale Eigenheiten. Doch dies ist verbunden mit einer Warnung an die Konsumenten, die immer nur zur billigsten Ware im Regal greifen. "Beste Qualität und höchste Standards sind zum niedrigsten Preis nicht zu haben", lautet Molterers Credo, das er nicht müde wird zu trommeln. Und im Zuge der Osterweiterung müsse gerade der Schutz der Regionen im Auge behalten werden. Deshalb zeigten sich die VP-Granden über den Kompromiss zufrieden: Anstatt der ausverhandelten fünf Mrd. Schilling konnten immerhin 3,5 Mrd. S für alle EU-Grenzregionen gesichert werden. Schüssel bedauert, dass der Großteil den Autobahnen zur Verfügung stehen werde und dass "für Ortsumfahrungen keine Förderung möglich sein wird." Der Kanzler will sich in dieser Angelegenheit Kraft fürs nächste Jahr behalten: "Vielleicht ist dann ein neuer Anlauf möglich."

Die drei Politiker mussten von ihrer Reise auch Kritik mit nach Hause nehmen. Adi Kastner, Landesbeauftragter für das Waldviertel, beschwerte sich über die zögernde Abwicklung bereits eingereichter EU-Projekte: "Vorige Förderperiode funktionierte es wirklich gut." Doch die bürokratischen Hemnisse seien mittlerweile enorm. Ein Jahr warte man schon auf die Gelder. "Wir in den Grenzregionen müssen uns auf die Öffnung vorbereiten, und die Beamten in den Ministerien haben die Dringlichkeit der Lage leider nicht erkannt." Er wünsche sich, dass Regionalpolitik wieder ernst genommen werde, doch bisher sei die Initialzündung noch nicht erfolgt.