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Auf Perspektivensuche im Spacelab

Von Nina Flori

Wirtschaft
In unterschiedlichen Werkstätten können die Jugendlichen bezahlte Arbeitserfahrungen sammeln. Wichtigstes Ziel ist es, ihre persönlichen Fähigkeiten zu fördern. Foto: Urban

Projekt "Spacelab" will perspektivenlose Jugendliche erreichen. | Angebot setzt auf Aktivierung und Zukunftsplanung. | Wien. 7,5 Prozent der österreichischen Jugendlichen sind zur Zeit arbeitslos. Nicht alle Jugendlichen ohne Beschäftigung schaffen es aber, sich aus eigener Motivation an das Arbeitsmarktservice (AMS) zu wenden. Oft stellen schon die beim AMS geforderten zeitlichen Verpflichtungen eine unbewältigbare Hürde für sie dar. | Gerda Challupner, Leiterin des Wiener AMS für Jugendliche, im Interview


Genau diese Jugendlichen will das seit einem Jahr bestehende Projekt "Spacelab" der Stadt Wien und des AMS erreichen: "Im Spacelab geht es darum, gemeinsam mit dem Jugendlichen realistische Berufsperspektiven zu entwickeln und herauszufinden, welche weiteren Maßnahmen für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt notwendig sind, etwa ein Hauptschulabschluss oder eine Lehre", sagt Anneliese Dorfer, die im Spacelab-Jargon "Perspektiven-Coach" genannt wird, zur "Wiener Zeitung".

Ein "offener Raum" soll Jugendliche anlocken

Mit einem Wuzzeltisch und einer gemütlichen Sofa-Landschaft ausgestattet soll der offene Raum des Spacelabs in der Knöllgasse in Favoriten vorbeikommende Jugendliche dazu animieren, mit den Spacelab-Betreuern in Kontakt zu treten. In unterschiedlichen Bereichen wie "Bau und Sanierung", "Büro und Medien" oder "Holz und Metall" können sie in der Folge bezahlte Arbeitserfahrungen sammeln. Ein Taschengeld von 9,23 Euro für Unter-18-Jährige und 19,73 für Über-18-Jährige pro Tag sollen als Anreiz dienen.

"Das wichtigste Ziel ist es, die persönlichen Fähigkeiten der Jugendlichen zu fördern. Unser Angebot ist dabei in Modulen mit unterschiedlichen Verbindlichkeitsgraden organisiert", erklärt Dorfer. Denn viele der Teilnehmer seien nicht von Anfang an dazu fähig, sich an die geforderten Anwesenheitszeiten zu halten.

Arbeitstugenden wie telefonisches Krankmelden, Pünktlichkeit und einen höflichen Umgang untereinander zu etablieren, sind daher zentrale Anliegen im Spacelab. Wer es nicht schafft, sich an die Vorgaben zu halten, kann innerhalb des Modulsystems aber immer wieder eine Stufe zurückgehen und von neuem beginnen. Lediglich bei Gewaltausbrüchen oder Schlägereien wird den Jugendlichen ein Hausverbot erteilt. "Das kommt aber kaum vor", sagt Dorfer.

Insgesamt 700 Jugendliche bis zum Alter von 25 Jahren können an den zwei Standorten in der Knöllgasse und in Strebersdorf an dem Projekt teilnehmen.

Die 16-jährige Beritan druckt gerade in der Kreativ-Werkstatt eine selbst entworfene Zeichnung auf leere Wandkalender. Mit drei Fünfern im Zeugnis musste sie von ihrer ehemaligen katholischen Privatschule abgehen. Im Spacelab macht sie sich zur Zeit mit Drucktechniken und Photoshop vertraut. "Es gefällt mir sehr gut, und ich lerne sehr viel", sagt sie schüchtern. Im Anschluss möchte sie gerne "etwas Soziales machen".

"Es ist nicht einfach, ausgegrenzt zu sein"

"Bei uns haben die Jugendlichen die Chance, so zu sein, wie sie sind. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für sie", betont Dorfer. Es sei schließlich nicht einfach, von der Gesellschaft ausgegrenzt zu sein. Auch wieder Regelmäßigkeit in ihrem Tagesablauf zu haben, tue den Jugendlichen daher gut.

Die meisten der Spacelab-Teilnehmer kommen aus sozial schwachen Verhältnissen. Es gebe aber auch Wohlstandsverwahrloste, betont Dorfer. Gemeinsam seien aber fast allen schwierige Startbedingungen und eine oft fehlende Begleitung der Eltern.

Die 20-jährige Semsa hat das "höchste" Spacelab-Modul, das sich "Beschäftigung" nennt, bereits abgeschlossen. Sechs Monate lang hat sie 30 Wochenstunden in der "Holz- und Metall"-Werkstatt des Spacelabs gearbeitet. Anfang Jänner hat sie eine vom AMS geförderte Lehre als Tischlerin begonnen.

"Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Jugendlichen eine Anschlussper-spektive zu entwickeln", sagt Dorfer. Bei Semsa ist das gut gelungen. Vielen Jugendlichen kann aber auch dieses niederschwellige Projekt nicht aus ihrer Orientierungslosigkeit heraushelfen.