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Aufbruchsstimmung herrscht rund um die Akropolis

Von Peter Kantor, Athen

Wirtschaft

Im Rampenlicht stand Griechenland zuletzt dank der EU-Ratspräsidentschaft und den Vorbereitungen auf die Olympiade 2004. Der Erweiterungsgipfel in Athen war ein Erfolg, und auch die Wirtschaft darf sich über ein anhaltendes Wachstum von rund 4% - deutlich höher als der EU-Schnitt - freuen. Ob der Boom auch nach dem Mega-Sportevent und dem Auslaufen der EU-Förderprogramme anhalten wird, steht heute allerdings noch in den Sternen.


Das mit rund 150 Mill. Euro fast teuerste Tunnelbauprojekt Europas wurde in Athen vor kurzem abgeschlossen. Die restaurierte und erweiterte U-Bahn-Station Monastiraki und die neue Tunnelverbindung zum Syntagma-Platz bieten die für die Griechen fast unvermeidliche Verbindung von Kunst und Technik. Auf einer Fläche über dem Bahnsteig werden Aufnahmen der Milchstrasse vom Hamble-Teleskop projiziert, die alle paar Minuten wechseln. Die Passagiere haben den Eindruck, sie befinden sich unter dem offenen Sternenhimmel.

Tatsächlich hat das Großprojekt U-Bahn den Athenern dem "Himmel" näher gebracht. Schließlich konnten endlich viele Autofahrer auf "Öffis" umsteigen und damit die insgesamt miserable Luftqualität der Hauptstadt verbessern. Und nicht nur unter der Erde tut sich einiges. Umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen sind überall im Land sichtbar, angefangen vom neuen Großflughafen "Eleftherios Venizelos", 28 km von Athen entfernt, neuen Straßenbauten (auch Hochleistungsstrassen wie die Autobahnverbindung Patras-Athen-Saloniki "Egnazia"), Stadien- und Hotel(um)bauten, dem Bau des "Flufhafenexpress" (Bahnlinie), Verschönerungen von öffentlichen Parks, Hafenanlagen, Gärten, dem Neubau von Wasserleitungen oder dem Ausbau der "Öffis" - neben der U-Bahn auch die Modernisierung der alten Stadtbahn und eine neue Vororte-Linie.

"Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort", freut sich Jürgen Schreder, österreichischer Außenhandelsdelegierter in Athen, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Zugpferd sei die Olympiade, die Finanzierung ermöglichen die staatlichen Investitionen in Infrastrukturprojekte - allen voran in Projekte im Zusammenhang mit den bevorstehenden Olympischen Spielen 2004 in Athen - und das 3. EU- Förderrahmenprogramm. Eine wesentliche Rolle spielt auch die starke Steigerung des privaten Konsums, hauptsächlich ermöglicht durch niedrige Zinsen.

Über die Preise werde viel geklagt, berichtet Schreder, für viele sei der Euro zum "Teuro" geworden. Das subjektive Empfinden der Griechen wird durch die Statistik-Experten bestätigt: Im Jahr 2002 lag die Inflationsrate bei 3,9% und damit 1,7 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Euro-Zone - dies, obwohl der Inflationsdruck seit Einführung des Euro durch die Anpassung an das wesentlich niedrigere Zinsniveau der Euroländer abgenommen hat. Die Ursachen liegen neben wetterbedingten Preisanstiegen Anfang des Jahres bei Grundnahrungsmitteln, neben Aufrundungen im Zuge der Umstellung auf den Euro, in einer Zunahme der Lohnkosten und - in den gestiegenen Gewinnspannen in wenig kontrollierbaren Geschäftsbereichen (z. B. Märkte).

Beim Wirtschaftswachstum gibt es hingegen keinen Grund zur Klage. Wie schon in den Vorjahren ist die griechische Wirtschaft auch 2002 stark gewachsen: Die Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2002 betrug trotz international schwacher Konjunktur 4% und lag damit deutlich über EU-Niveau. Auch heuer werde mit einem ähnlich hohen Zuwachs gerechnet, bestätigt Schreder.

Der Arbeitsmarkt bleibt trotz des Wachstums ein Sorgenkind. Die Arbeitslosenrate liegt bei etwa 9,7%; die Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige) sogar bei über 20%. Wenig Erfreuliches weiß Schreder auch über die schleppenden Privatisierungsvorhaben zu berichten. Für die defizitäre staatliche Fluglinie Olympic Airways finde sich nach wie vor kein Käufer, und die geplante Privatisierung der staatlichen Energieunternehmen für Gas und Strom sei fern einer Realisierung. Als vorerst gescheitert gilt die Privatisierung von Hellenic Petroleum.

Als wichtigster Devisenbringer der griechischen Wirtschaft hat sich der Tourismus etabliert (BIP-Anteil etwa 15%). Mehr als 12 Millionen Ankünfte dürften 2002 verzeichnet worden sein und das trotz höherer Preise, struktureller Schwächen und der schwachen Konjunktur vor allem in Deutschland.

Österreicher sind in Griechenland sowohl als Touristen wie auch in der Wirtschaft allgegenwärtig. Zum einen ist Griechenland schon seit einigen Jahren für die Österreicher bei den Urlaubsarrangements die Nummer 1, insgesamt nach dem viel größeren Nachbarland Italien die Nummer 2. Zum anderen sind heimische Produkte auch in den Supermärkten präsent (Energydrinks, Milchprodukte, Bier). Exportchancen sieht Schreder auch für die Zukunft. Umwelt- und Tourismusprojekte sollten die österreichischen Unternehmen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen, meint er. Bis zum Jahr 2006 reichen die EU-Fördergelder und bis dahin sollten höhere Umweltstandards erreicht werden. Im Tourismus können österreichische Firmen gleichfalls Fachwissen beisteuern, allen voran im Thermentourismus, den Griechenland demnächst in Angriff nehmen wolle. Im Lebensmittelbereich könnten die Österreicher ebenfalls punkten. Zu beachten sei aber, dass Griechenland ein Preismarkt sei, die Käufer also Entscheidungen über den Preis treffen.

Zu Jahresbeginn 2004 soll nach den Vorstellungen von Schreder jedenfalls eine Lebensmittelmesse organisiert werden, vielleicht in Kombination mit einer "Österreichwoche".