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Aufmarsch gegen einen Namen

Von WZ-Korrespondent Ferry Batzoglou

Politik

Viele Griechen wollen nicht, dass das Nachbarland Mazedonien heißt.


Athen. Um genau 15.13 Uhr schloss ein Sprecher am gestrigen Donnerstag die Pressekonferenz im Athener Hotel "Titania": "Wir rufen alle Griechen auf, sich am Sonntag um 14 Uhr am Verfassungsplatz zu der Großkundgebung einzufinden. Für unser geliebtes Makedonien."

Alle Griechen werden zwar nicht kommen. Es werden aber sehr, sehr viele sein. So viele, wie nicht einmal das Dauerthema wirtschaftliche Krise hat mobilisieren können. Der Anlass: Das erneute Ringen zwischen Athen und seinem nördlichen Nachbarn Mazedonien, den am Peloponnes hartnäckig fast keiner so nennt. Und einfach so auch künftig nicht nennen will.

Seit dem vorigen Herbst ist plötzlich wieder Bewegung in die diffizile Sache gekommen, die im Ausland entweder keiner wahrnimmt oder falls ja, fast immer nur Kopfschütteln hervorruft. Die Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM), so der offizielle Name des Zwei-Millionen-Landes mit seiner Hauptstadt Skopje, soll im Juli beim nächsten Nato-Gipfel als 30. Mitglied in die Verteidigungsallianz aufgenommen werden.

Um das Nato-Ticket lösen zu können, muss der Nachbar Griechenland, schon seit 1952 Nato-Mitglied, seine Zustimmung geben. In der Vergangenheit verweigerte Athen diese aber.

Aus griechischer Sicht geht es dabei nicht nur um die Änderung des Staatsnamens "Republik Mazedonien", derweil von über 100 Staaten, auch Österreich, bilateral anerkannt. Gestrichen werden sollen auch Passagen in der mazedonischen Verfassung, die Gebietsansprüche gegenüber den südlichen Nachbarn und konkret auf die Provinz Makedonien hervorrufen könnten.

Im Kern werden aber auch historische, ethnische und philologische Fragen aufgeworfen. Das Gros der Griechen kennt dabei keine andere Antwort als: Es gibt kein mazedonisches Volk, keine eigene mazedonische Sprache.

Tsipras will Streit beilegen

Athens linker Premier Alexis Tsipras will eine einvernehmliche Lösung mit Skopje. Aber auch für Tsipras kommt der Staatsname Mazedonien für den Nachbarn höchstens mit einem geografischen oder chronologischen Zusatz in Frage, am liebsten auf Slawisch. Durchgesickert sind bislang eine Reihe von Vorschlägen des ewigen UNO-Sondervermittlers Matthew Nimitz: "Nova Makedonija" ("Neumazedonien") oder "GornaMakedonija" ("Nordmazedonien") zählen dazu. Tsipras’ Koalitionspartner, die nationalkonservativen "Unabhängigen Griechen", lehnen jegliche Verwendung des Namens Makedonien kategorisch ab. Ebenso verweigert der konservative Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis Premier Tsipras die Unterstützung. Der Vorwurf: Tsipras strebe alleine einen Deal mit Skopje an.

Dennoch könnte Tsipras notfalls eine knappe Mehrheit für einen Kombi-Namen für den Nachbarn im Athener Parlament zusammentrommeln. Abgeordnete der liberalen Potami-Partei oder sozialdemokratischen Pasok könnten dafür stimmen, so sein Kalkül.

Die neue Regierung in Skopje unter dem gemäßigten, sozialdemokratischen Premier Zoran Zaev zeigt sich kompromissbereit. Wie weit sie im Ringen mit Athen gehen will, offenbart sie aber nicht. Zaev will jedenfalls sein Volk befragen, sobald eine Lösung mit Athen in trockenen Tüchern ist.

Anders Tsipras. So kommt es am Sonntag zu einem weiteren Crashtest für seine Regierung. Die Organisatoren der Kundgebung rechnen mit über einer Million Teilnehmern. Die Mobilisierung in ganz Hellas ist jedenfalls enorm. Schon am 21. Jänner skandierten Hunderttausende in Thessaloniki voller Inbrunst: "Makedonien ist griechisch."

Den Vorwurf, die Kundgebung werde bloß eine Versammlung kruder Nationalisten sein, weisen die Organisatoren vehement zurück. Einer der Redner wird Mikis Theodorakis sein, 91, weltberühmter Komponist, Galionsfigur der Linken. Partei-Leute jeglicher Couleur dürfen nicht auf die Bühne. Das Motto der Protestler: "Keine Parteien, bitte! Das ist die Stimme des Volkes."