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Aufregung um abgesagten Lehrgang an der Donau-Uni

Von Simon Rosner

Politik

Uni schloss den gesamten Lehrstuhl - nach dem geplanten Kurs-Beginn.


Krems. Für Jan Braband ist auf einmal alles anders. Denn eigentlich sollte der Filmemacher nicht in Hamburg, sondern in Krems sein und sich in Sachen Filmproduktion weiterbilden. Die Donau-Universität bietet seit zehn Jahren einen entsprechenden Lehrgang an, der in der Branche einen guten Ruf genießt. Auch in diesem Semester wurde der Kurs, der den Studenten insgesamt 11.900 Euro kostet, angeboten. Ein gutes Dutzend Interessenten meldeten sich an, auch Braband, der sich für die Blockveranstaltungen Flüge bis in den April buchte.

Im Oktober wurde der Lehrgang aber zunächst verschoben, dann gänzlich abgesagt. "Aus Kulanz", wie Rektor Friedrich Faulhammer erklärt, habe man angeboten, den Kurs letztmalig durchzuführen, aber nur wenn sich ausreichend Studenten finden würden. Die Frist läuft bis heute, Freitag, die Mindestanzahl an Teilnehmern wird aber voraussichtlich nicht erreicht werden.

Die Studenten erhalten zwar ihr Kursgeld zurück, nicht aber sonstige Ausgaben, wie im Fall von Braband die gebuchten Flüge. "Es werden aber auch die ganzen Planungen durcheinander gewürfelt", sagt der Filmemacher.

"Dass ein Lehrgang abgesagt wird, kommt leider immer wieder vor", erklärt Rektor Faulhammer. Die Donau-Uni ist auf Weiterbildung spezialisiert es gibt für sie ein eigenes Gesetz, das ihr auch erlaubt, Gebühren für die Lehrgänge einzuheben. Deren gibt es aktuell etwa 150, wobei es überlaufene Kurse gibt und solche, die zwar vielleicht hoch angesehen, aber doch so spezifisch sind, dass es nur wenige Interessenten gibt. Und genau das war beim Lehrgang Filmproduktion der Fall.

Zehn Jahre lang wurde er trotzdem veranstaltet, teilweise mit nur acht Teilnehmern, wie Braband erzählt. Vielleicht war das der Grund, weshalb der Lehrgangsleiter auch diesmal davon ausging, dass er wieder stattfinden würde. So wurde es auch vom Lehrgangsleiter den Studenten kommuniziert.

Neuer Rektor

Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zu den vergangenen Jahren. Seit August ist Friedrich Faulhammer Rektor in Krems. "Ich muss ein ausgeglichenes Budget vorlegen, und das war ein Lehrgang, der im hohen Maß unwirtschaftlich war", sagt er. Und nicht nur dieser Kurs, sondern gleich die gesamte Abteilung für Film und Choreographie wurde geschlossen.

"Ich kann nachvollziehen, dass die Studenten enttäuscht sind", sagt der Rektor. Braband: "Das konkrete Problem war der terminliche Ablauf. Zum ersten Mal war am 14. November von einer Absage die Rede". Das war ein Monat, nachdem der Kurs hätte beginnen sollen. Dass die Absage nach dem eigentlichen Kursbeginn kam, hält die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer für nicht rechtens, sie will den Fall prüfen lassen. Faulhammer weist den Vorwurf Maurers zurück.

Durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, auf die die Uni verweist, ist die kurzfristige Absage gedeckt. Die AGB geben auch den Studenten das Recht, eine Teilnahme zurückzuziehen, allerdings zeitlich befristet und gegen Zahlung einer Stornogebühr. Die Uni kann kurzfristig agieren. Und dass möglichst lange mit einer Absage gewartet wird, dürfte Usus sein. Die Studenten hoffen, dass es sich doch noch ausgeht, die Lehrgangsleiter haben am Zustandekommen ebenfalls Interesse, und die Uni müsste bei einer zu frühen Deadline in Kauf nehmen, Kurse abzusagen, für die sich eventuell doch ausreichend Teilnehmer gefunden hätten.

Das Vorgehen der Studenten sei für die Uni "auch neu", sagt Faulhammer. Man werde in Zukunft schon bei der Anmeldung verstärkt darauf hinweisen, dass Kurse auch kurzfristig abgesagt werden können.

Gerade defizitäre Lehrgänge werden es in Krems vermutlich künftig schwer haben. Die Uni will ein Promotionsrecht erhalten, das die neue Regierung möglichst bald verabschieden soll. Obwohl es Widerstand dagegen gibt, etwa von anderen Unis, schätzt der Rektor die Chancen dafür als sehr groß ein. Ein Teil der Kosten für die Doktoratsstudien muss die Donau-Uni dann aus dem eigenen Budget finanzieren. Wohl auch unter diesem Gesichtspunkt muss man die nun strikte Handhabe bei Lehrgängen sehen.