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Aufregung um Anti-Raucher-Gesetz in Italien

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

Eines der europaweit strengsten Anti-Raucher-Gesetze ist gestern in Italien in Kraft getreten. Rauchen ist nun in allen der Öffentlichkeit zugänglichen Räumen verboten - und damit auch in Restaurants, Bars, Diskotheken und Büros. Ausnahmen gelten für abgetrennte Raucherräume. Bei Verstößen drohen den Wirten Strafen bis zu 2.200, den Gästen bis zu 250 Euro.


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Nichts half. Weder das öffentliche "Protestrauchen" in Mailand noch die Empörung des italienischen Verteidigungsministers Antonio Martino, der auf seine Zigarette bei Tisch nicht verzichten möchte. Trotz der Aktionen in zahlreichen Restaurants und Bars in der Nacht von Sonntag auf Montag trat gestern in Italien eines der strengsten Anti-Raucher-Gesetze in Kraft. Die Polizei führte Razzien durch. Und die erste Anzeige gab es bereits wenige Minuten nach Mitternacht: Wie lokale Medien berichteten, musste ein rauchender 22-Jähriger in einer Bar in Neapel 27 Euro Strafe zahlen. Wären Kinder oder schwangere Frauen dabei gewesen, hätte er bis zu zehn Mal so viel zahlen müssen.

Das Tabakgesetz sorgt in Italien weiter für heftige Diskussionen. In den rund 200.000 Restaurants, Cafes und Bars darf nicht mehr geraucht werden - außer in separaten Räumen mit eigener Lüftung. Doch bisher haben nicht einmal fünf Prozent der Lokale derartige Räume eingerichtet. Als "talibanisch", "illiberal" und "falsch" wurde das Gesetz bezeichnet. Dennoch gaben bei einer Umfrage 83 Prozent der Italienerinnen und Italiener an, den Vorstoß zu befürworten.

Mit dem Gesetz sollen vor allem Nichtraucher - 70 Prozent der Bevölkerung - geschützt werden, argumentiert Gesundheitsminister Girolamo Sirchia. Mehr als 13 Millionen der knapp 58 Millionen ItalienerInnen rauchen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden sterben dadurch jährlich 90.000 Menschen.

Erfolge oft bescheiden

Doch die Erfolge in Ländern mit Antiraucher-Regelungen sind oft bescheiden, wie sich in Frankreich oder Belgien zeigt (siehe Artikel links). Auf eine positive Entwicklung wird aber in Irland verwiesen, wo im März des Vorjahres ein Rauchverbot am Arbeitsplatz in Kraft trat, das ebenso für Pubs und Restaurants gilt. Nach Auskunft der Behörden in Dublin hätten bis November 7.000 Ex-Raucher bei einer Regierungs-Hotline gemeldet, dass sie nicht mehr zur Zigarette griffen. Auf der anderen Seite klagen Pub-Besitzer, dass sich ihr Umsatz durch das Verbot um ein Viertel verringert habe.

Frohlocken dürften dafür einige rauchende Singles. Vor dem Anzünden einer Zigarette zum Hinausgehen aus dem Pub verpflichtet, konnten sie weiter führende Bekanntschaften schließen.