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Aufregung um Baujuwel

Von Bernd Vasari

Politik
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Ein Dachausbau sei rechtlich nicht möglich, so das Gutachten des Architekten Lichtblau.
© Vasari

Mieter werfen Behörden Untätigkeit vor. Brief der MA 19 stiftet Verwirrung.


Wien. Ein möglicher Dachgeschoßausbau des Barockhauses Schwertgasse 3 in der Wiener Innenstadt sorgt derzeit bei einigen Mietern für Aufregung. Der Ausbau würde die historische Bausubstanz des denkmalgeschützten Dachstuhls zerstören und sei daher rechtswidrig, so der Vorwurf der Bewohner an den Hauseigentümer. Neben dem Denkmalschutz gehöre das mehr als 300 Jahre alte Haus zum Unesco-Weltkulturerbe und stehe unter dem Ensembleschutz von Maria am Gestade, so die Bewohner des Hauses. "Mehr kann man ein Haus rechtlich nicht schützen. Trotzdem wurden am Dachboden bereits Probebohrungen durchgeführt."

Ein an die Mieter gerichtetes Schreiben der MA 19, zuständig für Architektur und Stadtgestaltung, verstärkt nun das Misstrauen der Bewohner gegenüber den Behörden. In dem Schreiben wird erwähnt, dass der Entwurf des Dachausbaus bereits mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt und das Bauvorhaben aus stadtgestalterischer Sicht unproblematisch sei.

Nach Recherchen der "Wiener Zeitung" gibt es aber nicht einmal noch eine Einreichung beim Bundesdenkmalamt (BDA). Dies bestätigt Friedrich Dahm, Landeskonservator vom BDA. Er verweist aber auf Gespräche mit dem vom Hausbesitzer beauftragten Architekturbüro "Cuubuus", wo derzeit die Möglichkeiten hinsichtlich eines Dachgeschoßausbaus besprochen werden. Schließlich müsste die Dachstuhlkonstruktion in wesentlichen Teilen erhalten bleiben, so Dahm.

"Gesetzlose Behörden"

Auch der im Schreiben der MA 19 formulierte Einbau von "lediglich" drei Fensteröffnungen an der Feuermauer, "die in Ausmaß und Positionierung den darunter befindlichen Fenstern entsprechen", sorgt bei den Mietern für Unverständnis. Der Einbau dieser drei Fenster sei nämlich technisch gar nicht möglich, so die Mieter. Die beiden äußeren Fenster würden nämlich zur Hälfte aus dem Dach ragen. Der Gebrauch des Wortes "lediglich" zeige zudem, auf welcher Seite die Behörden stehen würden. "Die Behörde kümmert sich nicht um die Gesetze. Die lassen das einfach durchgehen", empören sich die Mieter des Barockhauses. Die Mieter verweisen auf ein Gutachten des Architekten Kurt Lichtblau, in dem "ein Dachausbau bei der derzeit gültigen Rechtslage" für nicht möglich erklärt wird. So sei laut Flächenwidmungsplan nur ein Dachgeschoß zulässig. Dieses gebe es aber bereits in Form der Mansardenwohnungen unterhalb des Spitzbodens.

"Für die MA 19 ist es relevant, dass abgesehen von den drei Fenstern das äußere Erscheinungsbild des Hauses nicht verändert werde", sagt Franz Kobermaier, Leiter der MA 19, und verweist auf ein Beratungsgespräch mit dem Architekturbüro. Eingereicht wurde aber noch nichts, betonte er. Und das Schreiben an die Mieter sei zugegebener Maßen etwas unglücklich. Man hätte schreiben müssen: "Die Planer haben versichert, dass es mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt ist", sagt Kobermaier.

Eduard Maier, Geschäftsführer von Cuubuus, möchte die derzeitige Phase des Projekts nicht öffentlich kommentieren. Man will das Haus generalsanieren, da werde es wohl legitim sein, sich "über verschiedene Teile des Hauses Gedanken zu machen", sagt er. Die Aufregungen der Mieter kann er nicht nachvollziehen. Das seien unwahre Behauptungen, die einer privaten Fehde mit dem Hauseigentümer zugrunde liegen würden. "Die Behörde wird entscheiden, was wir dort tun dürfen und was nicht. Alles andere ist Unsinn", so Maier.

Laut Rathausinsidern stehen die Chancen für einen Dachausbau sehr schlecht. Und einfach drüberfahren, das gehe heute nicht mehr, da alles genau geprüft werde. Damit habe das Architektenbüro wahrscheinlich nicht gerechnet, heißt es.

Millionäre statt Mieter

Einer Restaurierung des Hauses würden die Mieter gar nicht im Weg stehen, wie sie behaupten. Stattdessen befürchten die langjährigen Bewohner, dass sie hinausgedrängt werden könnten. "Das sollen hier alles Eigentumswohnungen für Millionäre werden", erklären sie. Um dieses Ziel zu erreichen, würde man ihnen das Leben schwer machen. Im Hof wurde etwa eine Betondecke verlegt, ohne für den Abfluss des Sickerwassers zu sorgen, sagen die Bewohner der Schwertgasse 3. Dadurch entstehe Staunässe, die an den tragenden Wänden des Innenhofs aufsteige und zu Algen- und Pilzbefall führe. Auch die Erdgeschoßzone des Hauses sei sehr schlampig verputzt worden und bereits völlig verwahrlost. Warum die Baupolizei hier nicht genauer hinsieht, verstehen die Mieter nicht.

"Ob die Fassade schön aussieht oder nicht, geht uns nichts an", sagt Hans-Jürgen Tempelmayr von der Baupolizei dazu. "Wir können nur eingreifen bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit." Die Betondecke im Hof sei auf jeden Fall rechtmäßig verlegt worden. Die Baupolizei werde sich das in nächster Zeit aber noch mal genauer ansehen. Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig rät man den Mietern, sich an den Mieterschutz der Gebietsbetreuung zu wenden.