Zum Hauptinhalt springen

Aufstand in der Glitzerwelt

Von Georg Friesenbichler

Politik

Asiatische Arbeiter leiden unter ihren Lebensverhältnissen. | Entscheidend für den Wohlstand. | Dubai/Wien. Am Neujahrstag eskalierte der Konflikt. Sicherheitsleute sollen einen asiatischen Bauarbeiter geschlagen haben, dieser schlug zurück, berichtete der Vize-Polizeichef von Dubai, Khamis al Mazeina, später über den auslösenden Streit, in dem es um den Zustand der Toiletten gegangen sein soll.


Die Gewalttätigkeiten zwischen Wachmännern und rund 1000 Arbeitern in dem Camp bei der großen Freihandelszone Jebel Ali arteten derart aus, dass die Bereitschaftspolizei des Emirats ausrücken musste. Fünf arabische Sicherheitskräfte wurden festgenommen. Während die Polizei nur von zwei beschädigten Bussen wissen wollte, sprach ein Vertreter der Personalvermittlungsagentur Jams HR Solutions, die die Gastarbeiter betreut, von hohen Sachschäden. So seien mindestens 40 Busse zerstört sowie Möbel und Fenster beschädigt worden.

Aber damit war der Konflikt nicht zu Ende. Noch am Montag weigerten sich die rund 2500 Arbeiter des Camps, die vor allem aus Indien und aus Nepal stammen, auf ihre Baustellen zu gehen.

Ein solcher Streik ist ungewöhnlich in der Glitzerwelt des arabischen Emirats, das in den letzten Jahren versucht hat, sich von der Abhängigkeit aus den Erdöleinnahmen zu befreien. Ein internationaler Platz für Finanzen, Handel und Tourismus nach dem Vorbild von Singapur wollte man werden, und das resultierte in einem gigantischen Bauboom, der unter anderem den Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, hervorgebracht hat. Gebaut wurden die Hochhäuser allerdings nicht von den arabischen Einwohnern, für die die Führungsposten im Staat reserviert sind, sondern von Fremdarbeitern. Diese stammen meist aus Südasien, neben den bereits genannten Ländern etwa aus Pakistan, aus Bangladesch oder Sri Lanka.

Wenig Lohn, triste Lager

Die Arbeitsmigranten stellen etwa 85 Prozent der Bevölkerung und tragen entscheidend zum Wirtschaftswachstum bei. Sind sie ungelernte Kräfte, wie die vielen weiblichen Hausangestellten oder eben die Bauarbeiter, werden sie allerdings oft nur mit fünf US-Dollar am Tag entlohnt. Zuhause würden sie freilich noch weit weniger verdienen, weshalb der Zustrom der Arbeitswilligen ungebrochen ist. In den vergangenen zwei Jahren ist allerdings die Nachfrage nicht mehr so groß wie vordem - die Immobilien- und Finanzkrise hat auch Dubai schwer zu schaffen gemacht. Staatseigene Gesellschaften sind schwer verschuldet und müssen durch das Emirat gestützt werden. Manche Bauprojekte wurden verlangsamt.

Immerhin können sich die Baufirmen nicht mehr so leicht an ihren Arbeitern schadlos halten wie bisher. 2005 und 2006 kam es zu Streiks, weil die Unternehmen den Arbeitern die Auszahlung ihrer Löhne oft monatelang vorenthalten hatten. Diese Praxis zieht mittlerweile in den Vereinigten Arabischen Emiraten hohe Strafen nach sich. Gängig ist sie im nahen Golfstaat Bahrain, wo Arbeiter immer wieder wegen ihrer Löhne protestieren, aber auch in Dubai kam es erst im Dezember zu einem Sitzstreik wegen ausstehender Löhne.

Die Realität hält also mit den strengen Vorgaben der Behörden nicht immer Schritt. Auch die Situation in den Lagern, wo die meist jungen Männer ohne die zuhause gebliebenen Familien hausen, soll verbessert werden, nachdem ein BBC-Bericht 2008 auf die triste Situation aufmerksam machte. Das damals betroffene Camp der größten Baugesellschaft im Nahen Osten sei großteils geschlossen, ein neues errichtet worden, heißt es. Den neuen Regeln nach sollen sich nicht mehr als acht bis zehn Arbeiter einen Schlafsaal teilen, mit drei Quadratmetern pro Person für Bett und Schrank. Die Genehmigung für neue Lager wird nur erteilt, wenn sie internationalen Standards entsprechen. Betreiberfirmen bestehender Camps haben bis 2014 Zeit, ihre Unterkünfte entsprechend zu adaptieren.

Vorläufig ist es offensichtlich noch nicht so weit. Im jüngsten Fall stellten indische Sozialarbeiter fest, dass die Lebensbedingungen wie etwa die sanitären Verhältnisse, Essensversorgung und Sicherheitsprobleme immer wieder zu Konflikten zwischen dem Wachpersonal und den Arbeitern führen.