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Aufständische ergeben sich

Von Wolfgang Tucek

Politik

Die verbliebenen rund 50 Rebellen haben am Dienstag ihre Waffen niedergelegt. Über das Schicksal der 19 Geiseln lagen vorerst keine Informationen vor. Bereits zuvor hatten die Behörden Ex-Major Antauro Humala verhaftet, der die seit Samstag dauernde Revolte im Süden des Landes angeführt hatte.


"Wir können nicht mehr lange warten", hatte Premier Carlos Ferrero am Dienstag die "Etnocaceristas" genannten Rebellen vor einem Sturm auf die von ihnen seit vier Tagen besetzte Polizeistation gewarnt. Die Übermacht von mindestens 1.000 Sondereinsatzkräften, die die Regierung in Andahuaylas in den Hochanden fast 900 Kilometer südöstlich von Lima zusammengezogen hatte, dürfte die Aufständischen überzeugt haben. Man werde deren Leben "respektieren" erklärte Ferrero.

Bereits in der Nacht auf Dienstag war Humala nach Verhandlungen mit dem peruanischen Polizeichef Felix Murazzo verhaftet worden, weil er "inakzeptable Forderungen" gestellt habe, wie der Premier erklärte. Für den gewaltsamen Tod von fünf Polizisten beim Sturm auf die Polizeiwache soll Humala nun vor Gericht gestellt werden. Noch am Samstag hatten dem Ex-Major die rund 30.000 Einwohner Andahuaylas spontanen Beifall gezollt, als er mit seinen ursprünglich 150 Rebellen einmarschiert war.

Gefährliche Radikal-Ideologie

Dabei vertreten die von Antauro und seinem Bruder Ollanto geführten Etnocaceristas ein gnadenloses nationalistisches Programm mit sozialistischen Untertönen. Sie kämpfen für die Wiedererrichtung des Inka-Reichs des 15. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Indios. Korrupte Politiker und Militärs wollen sie an die Wand stellen, ausländische Investoren enteignen. Unter Berufung auf den peruanischen General Andres Avelino Caceres, der im 19. Jahrhundert gegen die Chilenen gekämpft hat, schüren sie den Hass auf den südlichen Nachbarstaat.

Dass die verqueren Forderungen der selbst ernannten Inka-Rebellen dennoch auf fruchtbaren Boden fallen, liegt an deren Anprangerung von Missständen, die vielen Peruanern seit langem schwer im Magen liegen. Die Korruption blüht wie eh und je, gut die Hälfte aller Bürger lebt in bitterer Armut, ausländisches Kapital kontrolliert einen erheblichen Teil der Volkswirtschaft und die politische Führung unter Präsident Alejandro Toledo quält sich von Skandal zu Skandal. Die Bevölkerungsmehrheit der Indios ist in den oberen Machtetagen kaum vertreten.

Eine Ausnahme ist Toledo, der erste Staatschef in der Geschichte Perus, der von den Indios abstammt. Um so enttäuschter sind diese von seiner Politik. Toledos Beliebtheit liegt laut Umfragen seit Jahren unter zehn Prozent.