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Aufträge für Gender-Musik

Von Edwin Baumgartner

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Unlängst erregte ich die Gemüter mit der Behauptung, im falsch verstandenen Kampf um Gleichberechtigung seien hierzulande Mechanismen entstanden, die bewirken, dass Werke von Komponistinnen von vorneherein höhere Aufführungschancen hätten als Arbeiten männlicher Kollegen. Stimmt nicht, hieß es, es sei eine Gemeinheit, solches zu sagen.

Nun liegt mir eine Ausschreibung des Instituts für Komposition und Elektroakustik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien vor. Im Rahmen von "Gender-Projekt Holz-Blech-Schlag" werden "sechs Kompositionsaufträge an Komponistinnen (Kompositionsstudentinnen an der MDW - Institut 1) vergeben und zwar dieses Mal für Schlaginstrumente. Diese Kompositionen werden am 18. April 2015 im Haydnsaal uraufgeführt. Weitere Konzerte sowie die Veröffentlichung durch den Verlag Doblinger sind geplant. Für die ausgewählten Werke wird jeweils ein Honorar von 350,- Euro bezahlt werden." Männliche Komponisten ausgeschlossen. - Und das ist kein Mechanismus, dass eventuell schwächere Werke von Frauen eher zur Aufführung gelangen als eventuell stärkere von Männern?

In der Kunst hat diese Form von Feminismus nichts verloren. Nicht umsonst haben sich erstrangige österreichische Komponistinnen wie Johanna Doderer oder Olga Neuwirth nie von der feministischen Welle tragen lassen, wohl wissend, dass sie, werden sie aufgeführt, weil sie Frauen sind und nicht, weil sie hervorragende Werke schreiben, sich selbst deklassieren. Die Bevorzugung aus feministischen Gründen nämlich schadet der Sache der Komponistinnen mehr, als es ihr nützt.