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Augarten vor Scherbenhaufen

Von Rosa Eder und Christina Mondolfo

Wirtschaft

Die traditionsreiche Wiener Porzellanmanufaktur Augarten steht vor dem Aus. Auch ein Konkurs wird nicht mehr ausgeschlossen. Die Ursache: Die zur Bank Austria Creditanstalt AG (BA-CA) gehörende Stiftung B & C Holding GmbH, die 82% an Augarten hält, will die Weiterfinanzierung einstellen. "Es schaut schlecht aus für Augarten", bestätigte auch der Generaldirektor der mit 18% an Augarten beteiligten Wiener Städtischen Versicherung, Günther Geyer.


Er hätte es sehr gerne gesehen, dass Augarten weitergeführt werde, sagte Geyer gestern im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Mit 18% habe die Städtische aber keine industrielle Führerschaft an dem Porzellanhersteller und damit auch keine Entscheidungsgewalt. "Man hätte früher verkaufen sollen", so Geyer. Er bedauert, dass die Verhandlungen mit der Soravia-Gruppe nicht zum Erfolg geführt haben. Diese hätte Augarten "faktisch geschenkt" bekommen können. Erwin Soravia wollte jedoch die hohen Bankverbindlichkeiten nur gegen eine Zinsenfreistellung übernehmen, was die Bank Austria Creditanstalt AG jedoch ablehnte. Soravia trat daraufhin den Rückzug an.

Die Bank müsste eine "gewisse Beweglichkeit" zeigen, meint auch Geyer, der es sehr traurig findet, dass die bisherigen Übernahmeversuche gescheitert sind und somit das Überleben der zweitältesten Porzellanmanufaktur Europas nicht gesichert werden konnte.

Unternehmen kommt nicht aus den roten Zahlen

Seit zwei Jahren schreibt Augarten nun schon Verluste. Die Zuspitzung der schlechten wirtschaftlichen Lage der Manufaktur sei laut Karl Schmutzer, Geschäftsführer der B&C Holding GmbH, auf das Ausbleiben japanischer und amerikanischer Touristen sowie auf die allgemeine schwache Konsumneigung zurückzuführen. Ein weiterer Grund für die Probleme bei Augarten sei die deutliche Verschlechterung der Währungsparität vor allem des Dollar und des Yen. Diese Entwicklung mache auch die Abwertung der Tochtergesellschaft in Japan erforderlich. Anstelle des geplanten Umsatzes von 7,7 Mill. Euro werden heuer nur 5,9 Mill. Euro erzielt werden. Der Verlust werde heuer rund 2,3 Mill. Euro nach 2,1 Mill. Euro im Vorjahr betragen. Darüber hinaus werde die Bilanz durch hohe Pensionszusagen und seit langem laufende Betriebsvereinbarungen sowie durch Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 5,7 Mill. Euro belastet. Die Republik Österreich habe außerdem als Vermieterin der Betriebsstätte im Palais Augarten die Miete verachtfacht und für die vergangenen zwei Jahre eine Nachzahlung gefordert. Aus diesen Gründen sei es für die Eigentümer aus wirtschaftlicher Sicht unverantwortlich, weitere Mitteln zuzuschießen, so der B&C-Geschäftsführer.

Die 1718 gegründete Wiener Porzellanmanufaktur hat bereits die Zahlung der Juni-Löhne und der Urlaubgsgehälter für die rund 140 Mitarbeiter eingestellt. Die Passiva werden auf 12 Mill. Euro geschätzt. Bei einem Konkursverfahren fallen die Gläubiger freilich um den größten Teil ihrer Forderungen um, ein Interessent kann aus der Konkursmasse für ihn interessante Betriebsteile herauskaufen.

Geschichte

Als im Jahr 1718 Kaiser Karl VI. die Erlaubnis gab, in Österreich Porzellan zu erzeugen, begann man in der Porzellangasse im 9. Wiener Bezirk Stücke für das Kaiserhaus und den höfischen Adel zu erzeugen. 1743 wude die bislang privat geführte Manufaktur an den Staat Österreich verkauft. Seit 1744 wird das Porzellan der nunmehrigen k.k. Aerarial-Manufactur Wien mit dem Familienwappen der Babenberger - dem Bindenschild - gekennzeichnet. Nach Jahren am Existenzminimum brachte der "Wiener Kongress" Anfang des 19. Jahrhunderts einen erneuten Aufschwung, das Porzellan aus Wien avancierte zu einem begehrten Geschenk. Durch die Industrialisierung und die rasch anwachsende Konkurrenz v.a. böhmischer Fabriken mit Serienproduktion, übergab das Kaiserhaus die Wiener Porzellanmanufaktur 1864 in museale Verwaltung. Mit dem Wiener Art Déco und ihrem bekanntesten Vertreter Josef Hoffmann erreichte die 1923 im Schloss Augarten wieder eröffnete Porzellanmanufaktur einen neuen Höhepunkt.