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Augen zu und durch?

Von Karl Leban

Wirtschaft

Franken-Kredite: Die Euro-Aufwertung seit Herbst 2015 hat die Verluste etwas reduziert.


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Wien. So mancher Franken-Kreditnehmer bereut mittlerweile seinen Umstieg auf einen Euro-Kredit und damit das Realisieren hoher Verluste. Im Nachhinein fühlen sich einige schlecht von ihrer Bank beraten. Andere wieder werfen ihrer Bank vor, sie zu diesem Schritt gedrängt zu haben. Dass sich da und dort Unmut breitmacht, hat damit zu tun, dass sich der gegenüber dem Schweizer Franken tief abgestürzte Euro-Kurs seit Herbst 2015 tendenziell etwas erholt hat (siehe Grafik). Dies hat zwar die Verluste jener privaten Haushalte, die ihren Franken- nicht in einen Euro-Kredit umwandeln ließen, verkleinert - nicht aber die schon realisierten Verluste der "Konvertiten".

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) räumt ein, dass es in Einzelfällen immer wieder Beschwerden gibt. Kritik an den Banken lässt sie hier jedoch nicht gelten. "Mit der Weisheit des Rückblicks bin ich Millionär", betont ein Sprecher. "Außerdem ist das immer noch die Entscheidung des Kunden, wie er weitermacht."

Ob die dreijährige "Aufholjagd" des Euro gegenüber dem Franken nachhaltig ist und sich in den kommenden Jahren fortsetzt, ist auch keineswegs in Stein gemeißelt. Kein Analyst will sich da mittel- bis langfristig festlegen, zu volatil sind ökonomische und politische Entwicklungen.

Häuslbauer ließen sich auf hochspekulative Wetten ein

Sollte es erneut etwa zu einer Euro-Krise kommen (Gefahren gehen derzeit vor allem von Italien aus), könnte der Schweizer Franken jedenfalls rasch wieder zu einer Fluchtwährung, einem sicheren Hafen, werden. Der Euro käme dann wohl ein weiteres Mal schwer unter die Räder, was die Schuldenlast von Franken-Kreditnehmern abermals erheblich vergrößern würde.

Franken-Kredite waren hierzulande von 1999 und 2008 äußerst beliebt, bis ein Ukas der FMA, der vor zehn Jahren - kurz nach der Lehman-Pleite - erfolgte, die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten an private Haushalte wegen der hohen Risiken verbot. Vor allem viele Häuslbauer verschuldeten sich in der Schweizer Währung, um von niedrigen Zinsen zu profitieren. Dabei spekulierten sie darauf, dass der Wert des Franken gegenüber dem Euro zumindest stabil bleiben würde. Doch diese Spekulation ging nicht auf: In der Finanzkrise legte der Franken-Kurs um mehr als die Hälfte zu, nach Aufhebung des Franken-Mindestkurses von 1,20 durch die Schweizerische Nationalbank im Jänner 2015 schoss er in der Folge nochmals nach oben.

Fremdwährungskredite an Privathaushalte waren der FMA und den Bankaufsehern der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) bereits vor der Finanzkrise stets ein Dorn im Auge gewesen. Bei solchen Finanzierungsprodukten besteht schließlich Risiko in dreifacher Hinsicht - wegen des Währungskurses, wegen der Zinsen und wegen der Performance des Tilgungsträgers (diverse Wertpapiere, Investmentfonds etc.).

Initiative für Konvertierungging von den Regulatoren aus

Im Jahr 2006, am Höhepunkt des Booms bei Fremdwährungskrediten, lag deren Anteil bereits bei etwa einem Drittel des gesamten Kreditvolumens. Private Haushalte waren damals mit 38,8 Milliarden Euro in einer Fremdwährung (primär in Franken) verschuldet. Nachdem die Finanzkrise gezeigt hatte, wie gefährlich die hochspekulativen Fremdwährungskredite sind, veranlassten FMA und OeNB die Banken dazu, die Kunden zur Konvertierung in einen Euro-Kredit zu bewegen, um nicht nur diesen das Risiko vom Hals zu schaffen, sondern auch sich selbst.

Aus Sicht der Aufsichtsbehörden bestanden für die heimischen Institute besonders hohe Ausfallsrisiken bei den Fremdwährungskrediten und damit hohe systemische Risiken für den gesamten Finanzsektor im Land. Die empfohlenen Konvertierungsmaßnahmen sollten jedenfalls verhindern, dass es für Franken-Kreditnehmer noch schlimmer kommt und eine mögliche, daraus resultierende Welle von Privatinsolvenzen die Banken in Schieflage bringt. Sowohl die Kreditnehmer als auch die Kreditgeber sollten nicht mehr auf einem Pulverfass sitzen, so die Intention von FMA und OeNB.

Nach Ausbruch der Finanzkrise hieß es, dass Frankenkreditnehmer im Durchschnitt Darlehen von 120.000 bis 130.000 Euro aufgenommen hätten. Jene, die ihren Frankenkredit im Jahr 2008 abgeschlossen und bisher nicht in einen Euro-Kredit umgewandelt haben, sind mit den größten Deckungslücken konfrontiert (siehe Grafik). Ihre Schuldenlast hat sich trotz der oben erwähnten Euro-Aufwertung nahezu verdoppelt.

Aufseher der Nationalbanksind mittlerweile entspannt

Zuletzt haftete hierzulande "nur" noch ein Kreditvolumen von rund 15 Milliarden Euro in Franken aus. In der Nationalbank gibt man sich deshalb bereits seit Längerem entspannt. "Das Risiko für die Finanzmarktstabilität in Österreich aus den Franken-Krediten wurde in den vergangenen Jahren auf unsere Initiative - und die der FMA - schon massiv reduziert", heißt es dort. "Wir sehen dieses Risiko als begrenzt an, und es ist beherrschbar."

Im ersten Quartal 2018 haben die an Private vergebenen Fremdwährungskredite laut der Finanzmarktaufsicht alles in allem 15,65 Milliarden Euro ausgemacht (aktuellere Zahlen sind derzeit nicht verfügbar). Der Großteil davon entfiel mit 96,2 Prozent auf den Schweizer Franken, der Rest fast komplett auf Japanische Yen. Seit der Verhängung des Neuvergabe-Stopps vor zehn Jahren sowie den Begleitmaßnahmen zur Risikobegrenzung bei bestehenden Krediten ist das bei Privaten aushaftende Fremdwährungskreditvolumen wechselkursbereinigt um mehr als zwei Drittel geschrumpft.