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Aus den "Wassern des Grimur"

Von WZ Online

Politik

Isländische Sprache stellt Festland-Europäer auf harte Probe. | Nach Eyjafjallajökull also Grimsvötn - und diesmal ist der Vulkan wenigstens vergleichsweise leicht auszusprechen. Vergangenes Jahr mussten sich Nicht-Isländer von YouTube-Videos belehren lassen, wie der Eyjafjallajökull richtig über die Lippen geht und scheiterten doch reihenweise. Der Grimsvötn - zu Deutsch kommt das Feuer aus den "Wassern des Grimur (ein Männername, Anm.)" irritiert nur durch einen leichten "ch"-ähnlichen Hauch nach dem "ö", ist aber insgesamt halbwegs würdevoll hinzukriegen.


Fast schon eine Ausnahme im Isländischen, denn wegen einer sehr konservativen Orthografie unterscheiden sich Schreibweise und Aussprache im Isländischen doch sehr deutlich, sagt Magnus Hauksson, Sprachlektor an der Uni Wien.

"Die isländische Orthografie bildet die Aussprache nur wenig ab", sagt er. Vielmehr gleicht sie noch weitgehend der Schreibweise des Altnordischen bzw. Altisländischen, das schon seit Jahrhunderten Geschichte ist. Und so kommt es auch, dass der Eyjafjallajökull in der Aussprache gleich zweimal nach einem "t" oder "d" oder irgendwas dazwischen verlangt: "Eyafjatlajökudl" radebrechten 2010 reihenweise die Radio- und Fernsehsprecher. Wer glaubt, das sei die Faustregel, irrt aber: Bei manchen Wörtern stehen die Doppel-Lettern wie "ll" und "nn" ähnlich wie im Deutschen einfach für "lange" Buchstaben.

Auffälligstes Merkmal des Isländischen freilich sind in jedem Text exotisch anmutende Buchstaben, die am ehesten mit einem "d" und einem "p" verglichen werden können: Sie stehen für einen Laut, der den meisten im Englischen als "th" (sprich: ti-äitsch) bekannt ist. Wie im Englischen gibt es auch auf Isländisch eine stimmhafte und eine stimmlose Variante. Da bisher kein eruptierender Vulkan mit einem solchen aufwarten konnte, blieb der Öffentlichkeit das entsprechende Aussprache-Spektakel vorerst vorenthalten. "Für Nicht-Isländer ist es oft schwierig, 's' und 'th' auseinanderzuhalten", weiß Hauksson. Im Falle des Falles müssten wohl auch die Printmedien nach dem entsprechenden Zeichensatz suchen.

Eigenheit: Diphtonge

Eine weitere Eigenheit des Isländischen sind die Diphtonge - also Zwielaute wie au, eu und ei im Deutschen. Sie sind auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen. Sagt ein Isländer "ei", schreibt er das Ligatur-"ae", sagt er "au", schreibt er ein a mit Strich drüber (á), ähnlich beim "ou", das als ó - o mit Accent - firmiert. Auch das ein Überbleibsel aus dem Altnordischen, als die Sprache noch keine Zwielaute kannte. Die haben sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, die Orthografie aber hat bisher nicht mitgezogen.

Generell gilt Island mit seinen rund 300.000 Native Speakern als Staat mit einer sehr konservativen und restriktiven Sprachpolitik, in dem kaum Fremdwörter zugelassen werden. Hauksson findet diese Darstellung aber übertrieben. Wohl werde eine "puristische Politik" verfolgt. Ein Sprachausschuss habe die Aufgabe, "zentral die Sprachpflege zu unterstützen", und dessen offizielle Politik sei es auch, die Übernahme von Fremd- bzw. Lehnwörtern zu vermeiden - bzw. diese wenigstens, "so anzupassen, dass alles richtig klingt". Das heißt aber noch lange nicht, dass sich die Sprecher auch daran halten, denn "es schleichen sich natürlich immer viele Wörter ein - aus dem Englischen, früher aus dem Dänischen oder dem Lateinischen".

Und manchmal helfen ja auch Sprachverwandtschaften. So heißt das Internet umgangssprachlich schlicht "net". Klingt englisch, ist es aber nicht: "Zufällig ist das auch isländisch für jedwedes Netz" und geht daher als Übersetzung durch. Aber manche Wörter bleiben resistent: "Zu Facebook sagen die Isländer auch Facebook", versichert Hauksson. (apa)

Grimsvötn lässt das Spucken sein