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"Aus" für das Lohnsackerl

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Ein Bankkonto - oder gar eine Kreditkarte - zu besitzen, ist in vielen Ländern Zentral- und Osteuropas keine Selbstverständlichkeit, oft wird der Lohn noch bar auf die Hand ausgezahlt. Mit steigendem Wohlstand wächst auch die Offenheit gegenüber Bankdienstleistungen - sehr zur Freude der Geldinstitute.


Das Potenzial ist laut einer Studie des Fessel-GfK-Instituts gewaltig: So haben in Österreich 94% und in Deutschland 99% der Bevölkerung ein Bankkonto, in Tschechien sind es hingegen lediglich 64% und in Bulgarien gar erst 15%. Am besten schneidet noch Slowenien mit 87% ab.

"Am höchsten ist der Aufholbedarf bei Finanzierungen," betonte Alexander Zeh von Fessel-GfK gestern bei der Präsentation der Studie, die im Auftrag der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) erstellt wurde. In Österreich haben 19% einen Kredit, in den untersuchten 12 zentral- und osteuropäischen Ländern sind die Raten - bis auf Slowenien mit 21% - deutlich niedriger. Die Schlusslichter bilden die Slowakei und die Ukraine mit jeweils 4%.

Im Wettbewerb um Kreditkundschaft dürfen die Banken nicht zaudern, denn "der Bedarf an raschem Geld ist enorm", so Martin Grüll, Bereichsvorstand für Zentral- und Osteuropa in der BA-CA. Das treffe insbesondere auf Hypothekarkredite zu, da es sich immer mehr Menschen leisten könnten, Eigentum zu schaffen. Die polnische BA-CA-Tochter Bank BPH habe in diesem Geschäftsbereich seit Juni 2003 um 73% zugelegt. Auf die Frage, wie die BA-CA im Vergleich zu den Mitbewerbern punkten will, sagt Grüll: "Wir sind besser und schneller." Die Risikosituation bezeichnet Grüll als "außerordentlich gut", die Ausfallsrate bei Privatkrediten liege derzeit bei 1%.

Sparmotive ändern sich

Überschüssiges Geld - falls überhaupt vorhanden - wurde in den CEE-Ländern bisher vorrangig für die Verbesserung der Wohnsituation bzw. die Haushaltsausstattung und für den Urlaub beiseite gelegt bzw. diente als Absicherung für die Familie. Auch das wird sich ändern, ist Marktforscher Zeh überzeugt. Wohlstandssparmotive, wie etwa der Erwerb eines Zweitautos, werden mit steigendem Wirtschaftswachstum an Bedeutung gewinnen.