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Ausgesackelt

Von Thomas Seifert

Politik

EU-Parlament will, dass Konsumenten weniger Plastiksäcke verwenden und so zum Schutz der Meere beitragen.


Straßburg/Brüssel/Wien. 200 Plastiksackerln benutzt jeder Europäer im Durchschnitt, insgesamt landen rund 8 Milliarden Plastiksackerl in Europa jedes Jahr in der Umwelt.

In allen Ozeanen sind Plastikpartikel nachweisbar, die Meerestiere gefährden und in die Nahrungskette gelangen können. Nach einer Statistik der EU-Kommission findet man in 94 Prozent der Mägen von Nordsee-Vögeln Plastikpartikel, Spuren von Plastik oder größere Plastikteile. Im Meer treiben ganze "Inseln" aus Plastikmüll, doch der größte Teil des Mülls ist mit freiem Auge nicht sichtbar: So gibt es im Nordpazifik eine riesige Meeresfläche, in der die Wissenschaftler 5,1 Kilogramm Plastikpartikel pro Quadratkilometer im direkt von der Oberfläche entnommenen Wasser nachweisen konnten. Auch im Nordatlantik gibt es eine Region, wo größere Mengen von Plastikmüll von den Meeresströmungen zusammengeschwemmt werden.

Im November 2013 hat die EU-Kommission beschlossen, in Europa gegen die Umweltverschmutzung durch Plastik vorzugehen. Der damalige aus Slowenien stammende Umweltkommissar Janez Potocnik hatte die Devise ausgegeben, die Menge der in Europa verwendeten Plastiksäcke in den kommenden Jahren um 80 Prozent zu reduzieren.

EuroCommerce, eine Lobby-Gruppe, die in Brüssel für Unternehmen wie etwa den großen französischen Handelskonzern Carrefour oder die britische Kette Tesco sowie für den schwedischen Einrichtungsriesen Ikea tätig ist, kritisierte daraufhin den Vorschlag der Kommission, da dieser aus Sicht von EuroCommerce zu wenig die bereits implementierten freiwilligen Initiativen des Handels berücksichtige. Die Handelsketten würden den Konsumenten bereits Alternativen anbieten beziehungsweise die Konsumenten zu einer Verhaltensänderung bewegen. Von 2008 auf 2010 sei die Zahl der durchschnittlich von jedem EU-Bürger verwendeten Plastiksäcke von 500 auf 198 gesunken. Umweltschützern und Grünen ging der Kommissionsentwurf hingegen nicht weit genug. Kritisiert wurde vor allem, dass der Entwurf keine "konkreten Reduktionsziele und -maßnahmen" enthalten hätte.

80 Prozent weniger Sackerl

Der Umweltausschuss des Europaparlaments folgte dann am 16.April 2014 dem Kommissionsentwurf: Bis 2019 sollte die Verwendung von Plastiksäcken in der EU um 80 Prozent im Vergleich zu dem Wert von 2010 gesenkt werden. Nun fehlte nur noch eine Einigung mit dem Europäischen Rat und so kommt der Entwurf der EU-Richtlinie heute, Dienstag, ins Plenum des EU-Parlaments in Straßburg.

Nach dem jetzigen Wortlaut der Richtlinie müssen die Mitgliedstaaten zwischen zwei Verpflichtungen wählen: Entweder sie sorgen dafür, dass jährlich nicht mehr als 90 leichte Kunststofftragetaschen pro Person bis Ende 2019 und nicht mehr als 40 leichte Kunststofftragetaschen pro Person bis 2025 verbraucht werden. Oder sie stellen sicher, dass leichte Kunststofftragetaschen bis Ende 2018 in den Geschäften nicht mehr gratis abgegeben werden.

Die dänische Grüne Margrete Auken, Wortführerin zur Causa im Europäischen Parlament, sagte am Montag, man sollte nach dem Vorbild Irlands für alle Sackerl Geld verlangen: "Dann hätten wir das Problem gelöst." Umweltschützern gehen die Maßnahmen nicht weit genug: Greenpeace hält weder Papiertragetaschen noch Sackerl aus Bio-Plastik für ökologisch sinnvolle Alternativen und rät Konsumenten, wiederverwertbare Taschen aus Leinen zu verwenden. Zudem kritisiert die Umwelt-NGO, dass der für die Umsetzung gewährte Zeitraum zu lange sei: "2019 ist machbar, wie einige Länder bereits vorgezeigt haben", sagt Greenpeace-Konsumentensprecherin Nunu Kaller. Zudem sei, so Kaller, zu befürchten, dass Konsumenten auch weiterhin die dünneren, für Obst und Gemüse bestimmten Plastiksäcke für den Transport kleinerer Einkäufe nutzen würden - was nicht im Sinne der Richtlinie sei.

Nach dem Beschluss in Straßburg geht es dann in Österreich um die Umsetzung der EU-Richtlinie: Umweltminister Andrä Rupprechter hat dazu bereits einen runden Tisch mit Umwelt- und Handelsvertretern angekündigt.