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Ausländer dringend gesucht

Von Piotr Dobrowolski

Politik

Bis 2030 wird Tschechien fast eine halbe Million ausländischer Arbeitskräfte brauchen, die Diskussion darüber hat aber erst begonnen.


Wenn der Chef der Konföderation der tschechischen Gewerkschaften, Milan Stech auf ukrainische Gastarbeiter angesprochen wird, antwortet er mit klaren Worten: "Ausländische Arbeitskräfte, egal ob legal oder illegal, machen unseren Arbeitsmarkt kaputt. Wir haben eine Arbeitslosigkeit von elf Prozent, zugleich wird die Anzahl an Schwarzarbeitern mit mindestens drei Prozent angegeben. Wenn man hier radikal durchgreifen würde, wäre sofort eine Verbesserung der Situation spürbar." Dass in manchen Regionen Tschechiens für bestimmte Arbeiten kaum noch tschechische Interessenten zu finden sind, will der Gewerkschafter damit lösen, dass er Arbeitslosen aus strukturschwachen Regionen finanzielle Anreize zur Übersiedlung in die boomenden Zentren anbietet: "Arbeitslosen in Südmähren könnte man eben Zulagen bieten, damit für sie auch Jobs in anderen Teilen des Landes interessant werden. Das ist doch besser als ausländische Arbeiter ins Land holen."

Auch Tschechiens Regierung fährt in der Frage ausländischer Arbeitskräfte derzeit eine restriktive Politik. Man will damit auch verhindern, dass illegale Arbeitsmigranten von Tschechien in andere EU-Staaten weiterreisen: "Spätestes, wenn Tschechien dem Schengenabkommen beitritt, müssen wir das Problem in den Griff bekommen haben", kündigt Regierungssprecherin Anna Veverkova an.

Zugleich kann Tschechien aber nicht an der Tatsache vorbei, dass das Land in Zukunft ohne ausländische Arbeitskräfte nicht mehr auskommen wird. In einem Pilotprogramm der Regierung wird derzeit daher gezielt nach Einwanderungswilligen in Bulgarien, Kroatien und Kasachstan gesucht. Wer aus diesen Ländern stammt und über eine einschlägige Fachqualifikation verfügt - genauer wurde das Anforderungsprofil nicht spezifiziert - kann um eine Arbeitserlaubnis ansuchen und bekommt bei Zusage die Option, nach zweieinhalb Jahren eine Daueraufenthaltsgenehmigung, die sogenannte Green Card, zu erhalten. Üblicherweise ist das erst nach zehn Jahren möglich.

Heuer sollen 700 Personen aus den genannten drei Staaten von dem Programm erfasst werden. Bislang hält man bei 126. Eine Ausdehnung der Anwerbungen auf weitere Länder ist zwar geplant, ob dann auch Ukrainer, die die Mehrzahl der ausländischen Arbeiter in Tschechien darstellen, die Möglichkeit auf beschleunigte Daueraufenthaltsgenehmigungen bekommen, bleibt unklar.