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Ausschreitungen an Israels Staatsgründungstag

Von WZ Online

Politik

Zusammenstöße auf Golanhöhen, Zahlreiche Verletzte im Gazastreifen. | Mutmaßliche Amokfahrt in Tel Aviv. | Tel Aviv. Bei Protesten zum Jahrestag der israelischen Staatsgründung ist es am Sonntag zu gewaltsamen Zusammenstößen an den Grenzen des Landes zu Syrien und dem Libanon gekommen. Israelische Sicherheitskräfte feuerten an drei Orten auf Demonstranten, die gegen die Staatsgründung 1948 protestierten und dabei versuchten, die Grenze zu überschreiten.


Dem syrischen Staatsfernsehen zufolge waren vier der Getöteten Staatsbürger Syriens. Es handelt sich um den schwersten Zwischenfall dieser Art seit Jahren.

Israelische und syrische Medien berichteten, Soldaten hätten vier Menschen erschossen, nachdem Dutzende palästinensische Flüchtlinge von Syrien aus auf die von Israel besetzten Golanhöhen vorgedrungen seien. An der nahen Grenze zum Libanon wurden nach Zeugenangaben ebenfalls vier Demonstranten erschossen, die Steine geschleudert hatten. Die libanesische Armee habe zuvor bereits in die Luft geschossen, um die Demonstranten vom Übertreten der Grenze abzuhalten.

Die Zusammenstöße auf den Golanhöhen ereigneten sich im Einsatzbereich des österreichischen Bataillons der UNO-Truppe, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, bestätigte. Bundesheertruppen seien jedoch nicht involviert und auch nicht Augenzeugen des Vorfalls gewesen.

Viele Verletzte im Gazastreifen

Im Gazastreifen durchbrachen palästinensische Demonstranten am Sonntag Absperrungen der dort herrschenden Hamas und drangen bis zum israelischen Erez-Kontrollpunkt vor. Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten wurden nach Angaben von Sanitätern knapp 70 Menschen verletzt. Die meisten von ihnen hätten Schusswunden erlitten, hieß es. Etwa 15 seien von Granatsplittern getroffen worden.

Auch an einigen Militärsperren im Westjordanland und in Ostjerusalem kam es zu Krawallen. Am Qalandia-Grenzübergang bei Ramallah warfen palästinensische Demonstranten Steine auf Soldaten, diese setzten Tränengas gegen die Menge ein. An Ägyptens Grenze zum Gazastreifen blieb es am Sonntag hingegen ruhig. Die Behörden hatten bereits im Vorfeld Kundgebungen am Grenzübergang Rafah oder dessen Überquerung untersagt.

Hamas verweigert weiter Anerkennung Israels

Die zentrale Gedenkveranstaltung der Palästinenserbehörde von Präsident Mahmoud Abbas zum sogenannten Nakba-Tag begann zu Mittag in Ramallah. Tausende Menschen marschierten von dem Präsidentenamt zum zentralen Manara-Platz. Die Sirenen heulten im Gedenken an die palästinensischen Flüchtlinge. Teilnehmer der Kundgebung trugen palästinensische und schwarze Flaggen. "Es gibt keine Alternative zur Rückkehr in die Heimat", hieß es in Schriftzügen. Einige Demonstranten trugen einen großen hölzernen Schlüssel als Symbol für den Wunsch nach Rückkehr in die verlorenen Häuser.

Ismail Haniyeh, Führer der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, drückte seine Hoffnung auf ein "Ende des zionistischen Projekts in Palästina" aus. Haniyeh bekräftigte während einer Ansprache, seine Organisation werde den Staat Israel weiterhin nicht anerkennen.

Tausende Polizisten mobilisiert

In der israelischen Wirtschaftsmetropole Tel Aviv kam unterdessen ein Mensch ums Leben, als ein israelischer Araber mit einem Lkw in Autos und Fußgänger raste. 17 Menschen wurden bei dem Zwischenfall verletzt. Die Polizei ermittelte, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelte. Zeugen sprachen von einer Amok-Fahrt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung: "Ich bedaure, dass es unter den israelischen Arabern und unseren Nachbarn Radikale gibt, die den israelischen Unabhängigkeitstag in einen Tag der Kriegshetze und des Zorns verwandeln."

Israel hatte aus Angst vor Anschlägen und Ausschreitungen zum Jahrestag der Staatsgründung tausende Polizisten mobilisiert. Das Westjordanland wurde bis Sonntag um Mitternacht abgeriegelt. Im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 waren mehr als 760.000 Palästinenser zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen.

Ihre heute 4,8 Millionen Nachkommen leben vor allem in Jordanien, Syrien, dem Libanon und in den palästinensischen Gebieten. Radikal-islamische Gruppierungen hatten zum palästinensischen "Nakba-Tag" (Tag der Katastrophe) zum Marsch auf die israelischen Grenzen aufgerufen. (APA/Reuters/dpa/AFP/red.)