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Ausschreitungen in der Bundesliga Der schwierige Umgang mit den Fans

Von Simon Rosner

Analysen

Erst flogen beim Wiener Derby die Bierbecher, dann die Fäuste und schließlich Sitzbänke aus Aluminium. Was als kleiner Disput zwischen Einzelnen begonnen hatte, wuchs sich einem Schneeball gleich zu massiven Ausschreitungen aus, die fünf Verletzte forderten. Nun müsse "rigoros" gegen Rowdies durchgegriffen werden, fordern nun Klubs, Liga und Politik einhellig. Das klingt logisch, ist jedoch auch nicht unproblematisch.


Dazu muss man wissen, dass die Solidarität in den Fangruppen sehr hoch ist. Die in den eigenen Vereinsfarben gewandeten Rowdies sind den Anhängern näher als Polizisten, die in Schutzkleidung aus Hartplastik eingepackt sind. Das Auftreten der Einsatzkräfte hat sich in den vergangenen Jahren auch geändert. Die Polizei ist bei den Spielen sichtbarer geworden, ihr Auftreten martialischer.

Die Fans fühlen sich dadurch provoziert und durch übergenaue Einlasskontrollen und Perlustrierungen in ihrer Freiheit beeinträchtigt. Die in Fankreisen weit verbreitete Meinung, man werde wie ein Verbrecher behandelt, sorgt dafür, dass sich das Feindbild Polizei verfestigt.

So ist es auch erklärbar, dass Gewalttaten gegen die Exekutive zugenommen haben, während Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen selten geworden sind. Auch die schweren Ausschreitungen in Italien, die sogar ein Todesopfer gefordert haben, fanden zwischen Polizisten und Fans eines Vereines statt.

In Italien ist die Fanproblematik derzeit am größten. Und das, obwohl die Anzahl der Sicherheitskräfte bei den Spielen größer ist als irgendwo sonst. Deshalb warnen auch Fan-Experten vor einer Verschärfung der Repressionen gegen Anhänger und fordern verstärkte Prävention, wie dies in Deutschland und der Schweiz passiert.

In England ist man in den 80er-Jahren einen anderen Weg gegangen. Um das Hooligan-Problem zu lösen, das im Vergleich zu Österreich freilich völlig andere Dimensionen hatte, wurden vor allem bauliche Veränderungen in den Stadien vorgenommen. Seitdem gibt es in der Premier League keine Stehplätze mehr. Dazu kamen ein völliges Alkoholverbot, extrem hohe Eintrittspreise und ein Strafenkatalog, der auch bei kleineren Delikten, die hierzulande Verwaltungsstrafen zur Folge haben, Haftstrafen vorsieht. Diese Forderungen werden auch in Österreich immer wieder laut.

Ein weiteres Problem: Die Verfehlungen mancher Fans werden bei den Anhängergruppen selbst prinzipiell als Kavaliersdelikte gesehen. Wenn der Schiedsrichter falsch pfeift, kann schon einmal ein Becher fliegen. Das ist halt die Emotion.

Eine tatsächliche Auseinandersetzung der Fan gruppen mit den Gewalttätern in ihren Reihen findet nicht statt. Dazu müssen diese erst angeregt werden. Nicht von der Polizei, das wäre der falsche Absender, sondern von den Klubs beziehungsweise von anderen Fangruppen. Denn Solidarität kann auch falsch verstanden werden.