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Aussitzen gilt diesmal nicht

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Nur einmal angenommen: Nicolas Sarkozy, damals Präsident Frankreichs, lud im November 2010 zu einem Treffen in den Élysée-Palast. Die Gäste der illustren Runde: die französische Ex-Kicker-Legende und aktuell Chef des Europaverbandes Uefa, Michel Platini, Tamim bin Hamad al-Thani, seines Zeichens Prinz von Katar, sowie Sébastien Bazin, damals Klubchef des in großen Finanznöten befindlichen Spitzenklubs Paris St. Germain. Ein paar Tage später bekommt Katar die WM 2022 zugesprochen, kurz darauf steigt eine katarische Investorengruppe bei PSG ein, und alle sind glücklich. Die französische Wochenzeitschrift "France Football" geht von diesem Szenario aus. Demnach soll Sarkozy Platini überredet haben, seine Stimme für Katar abzugeben - obwohl dieser eher die USA präferiert hätte -, und Katar aus Dank in den maroden Klub investiert haben. Platini dementierte, er sei ein "freier, unabhängiger Mann". Vielleicht stimmt das ja und alles ist ein Zufall, der allerdings ein ganz und gar nicht gutes Licht auf die WM-Vergabe wirft. Dabei ist die an Skandalen eh schon reich genug. Denn ganz so frei und unabhängig dürften nicht alle Wahlberechtigten entschieden haben. So sollen die Stimmen von vier Fifa-Exekutivmitgliedern gekauft gewesen sein. Zur Erinnerung: Katar, ein Land so groß wie Oberösterreich und mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius im Sommer, setzte sich schließlich mit 14:8 gegen die USA durch. Die Fifa täte gut daran, die Vorkommnisse endlich transparent zu untersuchen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Aussitzen, ansonsten beliebte Strategie, gilt diesmal nicht.