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Aussterbende Rasse

Von Francesco Campagner

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Zu Beginn der Dokumentation "Die Opfer von Stalingrad" wurden Passanten befragt, was sie mit diesem Ortsnamen verbinden könnten. Die Antworten glichen einander. Alle wußten, daß es sich

bei Stalingrad um eine Stadt handelt, mit einem historischen Ereignis konnten sie die Befragten aber nicht in Zusammenhang bringen. Am Mittwoch versuchte der ORF die Wissenslücke zu schließen. Schon

um 20.15 Uhr stand in ORF 1 der Spielfilm "Stalingrad" auf dem Programm, bevor dann um 22.30 Uhr in ORF 2 die Dokumentation von Walter Seledec Zeitzeugen bei ihrer Reise nach Wolgograd begleitete.

Ein Themenabend in guter alter öffentlich-rechtlicher Manier, der durchaus öfters angesetzt werden könnte. Einen Wermutstropfen gab es aber: "Wir kämpften für Spanien", die zweite "Brennpunkt"-

Dokumentation, ging durch den Stalingrad-Schwerpunkt unter.

Doch zurück zu den Wissenslücken. Es ist ein Phänomen unseres Informationszeitalters, daß das Allgemeinwissen abnimmt. Zeugnis davon gibt das Fernsehen. Quizsendungen sind de facto aus dem Programm

verschwunden, bei Shows müssen die Kandidaten Wundersames mit dem eigenen Körper statt mit dem Hirn vollbringen. Vorbei sind die Zeiten, als ein Mensch vor Millionenpublikum bei kniffligen Fragen ins

Schwitzen geriet. Diese Dekadenz ist bereits so augenscheinlich, daß sogar in Filmkomödien Sätze wie "Sie sind eine aussterbende Rasse, so wie die Menschen, die alle 50 Staaten der Vereinigten

Staaten aufzählen können" für Lachstürme sorgen.