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"Austausch von Türschildern"

Von Katharina Schmidt

Politik

NMS-Ausbau für den Grünen Walser kein Schritt in Richtung Gesamtschule.


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"Wiener Zeitung":Für die Koalition ist der Gesetzesentwurf zur Neuen Mittelschule ein "epochales Werk". Ihr Kommentar dazu?Harald Walser: Das Ziel der NMS war die Herabsetzung der Bildungslaufbahnentscheidung von neuneinhalb auf 14 Jahre. Davon ist nun nicht mehr die Rede, stattdessen zementiert man die frühe Entscheidung ein. Das ist ein Austausch von Türschildern: Hauptschule herunter, Neue Mittelschule herauf. Die Hauptschule bleibt, wie sie ist - es gibt keinen Einsatz von AHS-Lehrern in den zentralen Fächern.

Immerhin werden die Hauptschulen - zum Beispiel durch neue Lehrmethoden - aufgewertet.

Es ist ein kleiner Schritt zur Verbesserung der Hauptschule, aber nicht einmal ein Schrittchen in Richtung einer gemeinsamen Schule. Ich kann in jeder Schule den Unterricht verbessern. Wir müssen die gesamte AHS-Unterstufe in diese Reform integrieren -und nicht nur als Schulversuch.

Wird es irgendwann eine Gesamtschule geben?

Es muss so weit kommen. Grüne und Industriellenvereinigung sind ja sonst wirklich nicht ein Herz und eine Seele, aber wir fordern gemeinsam eine große Reform. Daran sieht man, dass es sich dabei um keine ideologische Frage handelt, sondern um eine des Sachverstands.

Sie unterstützen auch gemeinsam das Bildungsvolksbegehren. Was erwarten Sie sich davon?

Jede Unterschrift ist ein Erfolg und hilft uns weiter, den Druck auf die Regierung zu erhöhen. Die ÖVP ist in dieser Frage sturmreif. Ich erhoffe mir, dass sich durch das Volksbegehren ihre bildungspolitische Blockadehaltung nicht mehr aufrechterhalten lässt.

In Sachen Studiengebühren und Zugangsregeln blockiert die SPÖ.

Die Gebührenfrage ist gelöst. Gebühren bringen uns nicht weiter, entsprechend hat der Gesetzgeber gehandelt. Zugangsregeln kann ich mir vorstellen, wenn man eine modulare Oberstufe einführt, die eine Schwerpunktsetzung ermöglicht. Dann können Unis Studierende mit bestimmten Schwerpunkten bevorzugen.

Der Verfassungsgerichtshof hat das Gesetz zu den Gebühren, an dem die Grünen beteiligt waren, aufgehoben. Hätte man es gescheit gemacht, hätten die Unis schon jetzt Rechtssicherheit.

Es gibt widersprüchliche Meinungen der Verfassungsrechtler. Dieses Gesetz wird sehr wohl halten, ab 1. März wird kein Problem auftauchen.

Zur Person



Harald Walser

Der Vorarlberger (58) ist seit 2008 grüner Bildungssprecher im Nationalrat, seither ist er als Direktor des Gymnasiums Feldkirch karenziert.