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Australien rüstet sich in Österreich

Von Christian Scheucher

Wirtschaft
© MAN

Auftrag über mehr als eine Milliarde Euro an Wiener RMMV.


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Wien. Die Rüstungsindustrie hat in Österreich keine sehr große Bedeutung. Sie macht einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 11.000 Menschen direkt und 20.000 Menschen indirekt. Markantes Detail: 94 Prozent der Produktion gehen in den Export. Das machte auch Wolfgang Schirmer, Österreich-Chef des Militärfahrzeugeherstellers Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) mit Werken in Wien Liesing und Steyr unmissverständlich klar: Ohne Exporte dieser Fahrzeuge und solche Aufträge kann es in Österreich und auch in Deutschland mittelfristig keine Rüstungsindustrie geben.

Er sagte das in einer Pressekonferenz in Anwesenheit des australischen Botschafters in Österreich, David Gordon Stuart. Anlass ist die Erteilung eines Großauftrages des australischen Verteidigungsministeriums an die Wiener. Bei einem Auftragsvolumen von 1,1 Milliarden Euro werden 2500 Fahrzeuge verschiedener Kategorien zwischen 2016 und 2019 geliefert. Durch diesen Auftrag würden 80 bis 100 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Aufträge solcher Art, die Wasser-, Tank- und Ladehakensysteme umfassen, sorgten auch dafür, dass die technischen Fähigkeiten, solche Spezialfahrzeuge zu entwickeln, in Österreich erhalten bleiben, sagte Schirmer.

Die Exportregelungen für Rüstungsgüter sind in den europäischen Staaten ganz unterschiedlich. Österreich darf etwa an fragwürdige Staaten keine militärischen Güter liefern. Schirmer plädiert daher dafür, europaweit einheitliche Richtlinien für Rüstungsexporte zu schaffen.

Der Botschafter betonte, dass man sich nach einem langen und überaus intensiven Auswahlverfahren für das österreichische Produkt entschieden habe - wegen dessen überragender Qualität. 600 Millionen Euro an Wertschöpfung des Auftrages fallen in Österreich an, etwa 300 Millionen Euro in Australien. Bei solch langfristigen Projekten, erste Gespräche fanden 2001 statt, ist es üblich die Endfertigung im Zielland durchzuführen.

In etwa derselben Größenordnung sind bereits Aufträge aus Norwegen und Schweden in den Auftragsbüchern der RMMV Österreich eingegangen - gegen härteste internationale Konkurrenz. Aufträge, von denen etliche kleine und größere österreichische Zulieferer profitieren.

Nach dem größten je in Österreich abgewickelten Militärauftrag, der Lieferung an das britische Verteidigungsministerium über mehr als 7000 Lkw, hat das 2010 gegründete Joint Venture zwischen MAN und Rheinmetall die Standorte in Wien und Steyr längerfristig gesichert und sich am Weltmarkt etabliert.