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Austrian Airlines: Tanktourist und Kerosinpreisjäger

Von Christine Zeiner

Wirtschaft
Die AUA kauft seit August das Kerosin nicht mehr ausschließlich bei der OMV. AUA

Die Treibstoffpreise mancher westeuropäischer Raffinerien kommen den Austrian Airlines eher entgegen als jene der heimischen OMV: Seit Anfang August kauft die AUA Kerosin im Ausland zu. Die Airline-Gruppe will Kosten sparen, denn die Preise für Rohöl steigen weiter, prognostizieren Experten.


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Vor vier Jahren kostete eine Tonne Kerosin 260 US-Dollar. Derzeit liegt der Preis bei 655 US-Dollar. "Bei einem Jahresbedarf von 870.000 Tonnen Flugzeugtreibstoff spielen auch geringe Einkaufspreise pro Tonne in Summe eine Rolle", erklärte Thomas Kleibl, AUA-Finanzvorstand, am Freitag. Die AUA kauft deshalb seit August 55.000 Tonnen pro Jahr nicht bei der OMV. Wo sie stattdessen einkauft, wollte man auf Anfrage der "Wiener Zeitung" nicht sagen.

Der Treibstoff wird per ÖBB-Kesselwagen in das OMV-Umschlagslager geliefert. "Trotz Transportkosten und Entgelt für die OMV rechnet sich das für uns", erklärte AUA-Pressesprecherin Patricia Strampfer. Die AUA erspare sich Kosten im einstelligen Mio.-Euro-Bereich, vermuten Experten. "Dementsprechend besteht auch die Perspektive, den Anteil weiter zu erhöhen", sagte der Finanzvorstand.

Die OMV sieht das "gelassen": "Auf freien Märkten kann jeder tun, was er will", meint OMV-Pressesprecher Thomas Huemer. An einem großen Flughafen wie Frankfurt könne Kerosin billiger verkauft werden als an einem kleineren wie etwa Wien-Schwechat.

Noch etwas billiger kann es für die heimische Fluggesellschaft werden, wenn die Flugzeuge im Ausland getankt werden - "Tanktourismus" nennt der Konzern das, auch wenn der Ausdruck ein wenig irreführend ist. Schließlich kann eine Maschine nicht einfach jenen Flughafen anfliegen, der gerade das günstigste Kerosin anbietet. "Unsere Piloten versuchen, dort aufzutanken, wo es billiger ist als in Wien", sagt Strampfer. Die Kurse für Treibstoff werden europaweit täglich neu ermittelt. Das Einsparungspotenzial sei hier jedoch relativ gering. Stampfer: "Ein Flugzeug kann nicht einfach wie ein Auto voll getankt werden. Der Pilot muss entscheiden, wie hoch die neue Kerosinmenge sein kann."

Bald wieder teurere Tickets?

Weitere Kerosinzuschläge auf Flugtickets schließt die AUA nicht aus. "Wir beobachten den Markt und andere Fluggesellschaften. In diesem Bereich werden wir sicher keine Vorreiterrolle einnehmen", sagte Strampfer.

Dazu würde es ohnehin nicht mehr kommen: Am Freitag gab die Schweizer Fluggesellschaft Helvetic bekannt, ihren Treibstoffzuschlag per Ende August von 12 auf 17 Euro pro Person und Flug anzuheben.