Zum Hauptinhalt springen

Ausverkaufsstimmung auch an Wiens Börse

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Die höchstgradige Nervosität an den internationalen Börsenplätzen hat in der vergangenen Woche auch auf Wien übergegriffen. Vor allem zur Wochenmitte ist das allgemeine Kursgemetzel auch an der heimischen Börse nicht spurlos vorübergegangen. Vorbei war es plötzlich mit dem bisher tapfer geleisteten Widerstand und die Kurse brachen - für viele unerklärlich - massiv ein.


Alleine am Mittwoch sackte das durchschnittliche Kursniveau der ATX-Werte um 4,4% ab. Ein breiter Abverkauf machte vor keiner Aktie Halt. Die auf den Markt geworfenen Volumina lassen darauf schließen, daß Großinvestoren hinter den Aktionen steckten. Da auf der anderen Seite keine Käufer zu finden waren, konnte die Entwicklung nicht aufgefangen werden. Viele haben sich dabei die Finger verbrannt. Sogar langgediente Händler konnten sich nicht an eine solche Hysterie erinnern. Die Donnerstag und Freitag folgende Erholung ließ am Markt allerdings wieder die Hoffnung aufkommen, dssß nun vernünftige Bewertungsniveaus gefunden sind und ein ähnlich brutaler Rückgang nicht mehr möglich ist.

Der Leitindex ATX, der zunächst vom Ende der Vorwoche bis Mittwoch um 6,7% zurückgegangen war, schloß die Woche mit 1.145,73 Zählern. Im Wochenabstand blieb damit noch immer ein Minus von 4,32%. Der weiter gefaßte ATX Prime verlor 3,79% und beendete die Berichtswoche mit 599,56 Punkten. Der den Gesamtmarkt repräsentierende WBI schwächte sich um 3,50% auf 474,05 Zähler ab, lag aber noch immer um rund 2% über dem Jahresultimo 2001. Trotz des starken Rückgangs hat sich Wien im internationalen Konzert gut geschlagen, denn der DJ Euro Stoxx 50 verlor rund 6%, der DAX sogar über 8%.

Im prime market, dem Top-Segment der Wiener Börse, waren drei Viertel aller Aktien im Minus. Dank der Gegenbewegung am Donnerstag und Freitag haben sich zwar zahlreiche Aktien von ihren massiven Rückschlägen etwas erholt, dennoch mußten per saldo noch empfindliche Einbußen hingenommen werden. Stark zurückgefallen sind vor allem CLC (-11,8%), BETandWIN.com (-7,4%) und Head (-7,3%) sowie die ATX-Werte Erste Bank (-8,3%), BBAG (-8,2%) und OMV (-7,4%). Weitere fünf Titel (AUA, Generali Holding Vienna, Mayr-Melnhof, JoWooD und Jenbacher) büßten mehr als 5% ihres Wertes ein. Besonders auffällig waren Mayr-Melnhof, die schon mit 13,2% im Minus waren, aber letztendlich mit einem Rückgang von 5,1% die Woche beendet haben. Der mehr als 15%ige Anstieg der Feratel war eine Gegenbewegung auf die in den letzten Wochen verzeichneten massive Rückgänge. Etwas freundlicher präsentierten in dem allgemein negativen Umfeld VA Tech (+2,8%), Wolford (+1,7%) und AvW Stamm (+1,4%).

Im standard market continuous rutschten CyberTron mit einem Minus von 10% auf nur noch 18 Cent ab. Tiefer notierten auch die beiden Bautitel Bau Holding Strabag (-3,9%) und Porr Vorzug (-3,2%), wogegen bauMax (+2,1%) und Lenzing (+1,9%) etwas zulegen konnten. Im standard market auction sind Agra Tagger mit einem Minus von 57,1% auf ein neues Jahrestief von 1,20 Euro abgestürzt. Massiv verloren haben auch Caravelle Vorzug (-48%) und Mautner Markhof (-21,1%). Kursverluste von etwas mehr als 10% verzeichneten webfreetv, Ottakringer Vorzug, stage1.cc und Performance AG. Einen nennenswerten Kursanstieg erzielten lediglich die Vorzüge der Vogel & Noot mit 11,5%.

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift bankundbörse