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Ausweg aus Gewaltspirale

Von Markus Rapp

Politik

Wien - Auf dem "kleinen Balkan-Gipfel" haben Albaniens Außenminister Paskal Milo und sein jugoslawischer Amtskollege Goran Svilanovic gestern die Wiederaufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen vereinbart. Beide Länder bekannten sich zur langfristigen "euro-atlantischen Integration" als einzigem Ausweg aus der Gewaltspirale am Balkan.


Dieses erste bilaterale Treffen seit der Vertreibung der Kosovo-Albaner durch die Serben und der anschließenden Intervention der NATO im Frühjahr 1999 bedeute ein "neues Kapitel in unseren Beziehungen", sagte Milo. Albanien begrüße die demokratische Entwicklung in Serbien und hoffe auf dessen Unterstützung beim Aufbau demokratischer Strukturen im Kosovo. Was die Vorgänge im südserbischen Grenzgebiet und insbesondere die explosive Lage in Nordmazedonien beträfe, so verurteile Tirana "extremistische Akte" von Seiten der albanischen Minderheit, Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Volksgruppen sei aber ein Ende "jedweder Gewalt, von wem auch immer verübt", sowie eine integrative Politik gegenüber Minderheiten.

Die "Balkanisierung des Balkans" zu stoppen und die Beziehungen zu allen Nachbarn zu verbessern, nannte Jugoslawiens Außenminister Svilanovic die vorrangigen Ziele seines Landes. Die langfristige Perspektive beider Staaten und für Frieden und Stabilität in der gesamten Region wäre jedoch der EU-Beitritt und die NATO-Mitgliedschaft, bekräftigten Milo und Svilanovic einmütig. Bei einem weiteren, für den 29. März anberaumten Treffen in Tirana sollen "noch offene Fragen" geklärt werden.

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner zeigte sich erfreut über die in Wien erzielte Annäherung, äußerte aber zugleich ihre tiefe Besorgnis über das Aufflammen schwerer Kämpfe in der kosovarisch-mazedonischen Grenzregion. "Es braucht nun die Zusammenarbeit aller moderaten Kräfte", betonte die Außenministerin im Anschluss an das Treffen.

Unterdessen hat die US-Regierung Albaniens Haltung in der Mazedonien-Krise gewürdigt. Der amerikanische Botschafter in Tirana, Joseph Limprecht, lobte die Verurteilung extremistischer Gewalt durch den albanischen Staatspräsidenten Rexhep Meidani: Er hatte alle Albaner in Albanien, Kosovo und Mazedonien aufgerufen, die Friedensbemühungen der internationalen Gemeinschaft zu unterstützen. Auch Ministerpräsident Ilir Meta hatte allen "großalbanischen" Bestrebungen in den Nachbarländern eine Absage erteilt.