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Auswege aus der Klima-Katastrophe

Von Ronald Schönhuber

Europaarchiv

Markt für erneuerbare Energien mit hohen Zuwächsen. | Ohne Senkung des Energieverbrauchs | bleibt CO2-Einsparung wirkungslos. | Wien. Spätestens seit dem letzten EU-Gipfel sind sie in aller Munde: erneuerbare Energien. Bis 2020 sollen sie zumindest 20 Prozent des Energiemixes der Mitgliedsstaaten ausmachen und damit ihren Teil zur Abwendung einer globalen Klimakatastrophe beitragen. Denn im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen werden bei der Energiegewinnung aus Biomasse, Wasser, Sonne und Wind nur Prozesse genutzt, die ohnehin in der Natur ablaufen. Das klimaschädliche Treibhausgas C0 2 entsteht dabei erst gar nicht oder wird - wie im Fall der Biomasse - durch die CO 2 -Aufnahme der Pflanzen während des Wachstums ausgeglichen.


Wie man das ambitionierte 20-Prozent-Ziel erreichen will und wer wieviel von der gemeinsamen Last trägt, darüber wird in den nächsten Monaten noch heftig gestritten werden. Denn laut EU-Kommission machen erneuerbare Energiequellen momentan erst 6,4 Prozent an der Energieproduktion aus. Einige Staaten wie etwa Belgien oder Irland decken derzeit erst zwei Prozent ihres Energiebedarfs durch erneuerbare Energien, Zypern gewinnt sogar 94 Prozent seiner Energie rein aus Öl.

Hoffen auf Marktreife

Derzeit kämpfen die regenerativen Energieformen aber in vielen Bereichen noch mit Rentabilitätsproblemen. Selbst die Windenergie, die neben der Wasserkraft das Arbeitspferd der Öko-Stromerzeugung darstellt, produziert derzeit noch rund 60 Prozent über dem Marktpreis und ist nur dank Förderungen konkurrenzfähig. Noch schlechter ist es etwa um die Photovoltaik, also die direkte Stromerzeugung mittels Solarzellen, bestellt. Hier liegt der Preis für eine Kilowattstunde Sonnenstrom bei bis zu 49,2 Cent, gut 1000 Prozent mehr als Strom an der Leipziger Strombörse kostet.

Dennoch wittert die Branche immer stärker Morgenluft. Denn je mehr Erdwärme-Pumpen, Biotreibstoffe und Solarzellen - sei es aufgrund legistischer Rahmenbedingungen oder dem gestiegenen Umweltbewusstsein des Einzelnen - nachgefragt werden, um so billiger kann produziert und weiterentwickelt werden. Schlecht geht das derzeitige Geschäft aber ohnehin nicht. Laut Andrea Köppl vom Wifo verzeichneten die österreichischen Anlagenproduzenten in den letzten zehn Jahren Zuwachsraten, die mehr als doppelt so hoch sind, wie die der restlichen Sachgüterproduzenten.

Die Euphorie der Ökoenergie-Erzeuger kann über eines aber nicht hinwegtäuschen: Die CO 2 -Einsparung durch alternative Energien wird laut Experten nur dann relevant, wenn der gesamte Energieverbrauch nicht weiter steigt. "Doch der läuft uns davon", sagt Christian Schönbauer von der E-Control. Folglich steigt trotz der Zunahme an sauberer Energie auch die Energieproduktion aus Kohle und Gas. Und auch das Verhältnis verschiebt sich noch nicht: Zwischen 2002 und 2006 wurde der gesamte Zubau an Windenergie durch den um 11 Prozent gestiegenen Stromverbrauch aufgefressen.

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