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Ausweiskontrolle am Bankschalter umstritten

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

25.000 Euro für ein Auto oder 10 Euro für die Renovierung der Basilika von Mariazell - für beide Transaktionen könnten sich die Auftraggeber schon bald ausweisen müssen. Als "unzumutbar", kritisierte Walther Rothensteiner, Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), die geplanten Empfehlungen und Richtlinien (siehe Kasten unten) zu Geldwäsche am Mittwoch vor Journalisten. "Zumutbar", meint hingegen Franz Hahn, Bankexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo).


"Einen Koffer voller Bargeld nimmt bei uns ohnehin niemand mehr an", sagte Rothensteiner. Die bisherigen Sorgfaltspflichten seien ausreichend im Kampf gegen Geldwäsche, alles weitere verursache Kosten "die am Ende des Tages die Kunden zu tragen haben." Seiner Ansicht schaffen verstärkte Vorschriften nicht mehr Vertrauen, sondern mehr Verwirrung. Er geht davon aus, dass die Regelungen Realität werden, verlangt aber "zumindest eine Bagatellgrenze" von 100 oder 150 Euro.

"Das stimmt schon, dass die Bankenwirtschaft die am strengsten regulierte Branche ist", pflichtet Hahn bei. "Das heißt aber noch lange nicht, dass neue Richtlinien nicht sinnvoll wären - zum Schutz der Kunden und der gesamten Volkswirtschaft", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Je weniger Anonymität und "Geheimniskrämerei" - umso besser, meint Hahn, und plädiert für Transparenz und "klare Standards" bei Bankgeschäften am Schalter.

Reine Gewohnheit?

Mehr Transparenz als in Österreich gibt es diesbezüglich etwa im angelsächsischen Raum. In Großbritannien oder den USA ist es durchaus üblich, sich bei Bankgeschäften auszuweisen. "Und auch bei uns muss das kleine Mutterl, das die zehn Euro für Mariazell einzahlen will, beim Parteienverkehr, zum Beispiel am Standesamt, einen Ausweis herzeigen", gibt Hahn zu bedenken.

Die Banken fürchten, auf Dauer "mit einem Fuß im Kriminal" zu stehen, sollte dennoch eine illegale Transaktion erfolgen. "Fräulein Huber am Schalter müsste also wirklich bei jedem fragen: Wer ist das. Hinterher sagt jemand: Sie waren nicht sorgfältig genug", sagte Rothensteiner.

"Die Angestellte wird wohl in der Lage sein, die gefragten Dinge zu checken", kontert Hahn. Rothensteiner sprach aber auch jenen Passus an, der von einem "erhöhten Sorgfaltsmaßstab bei der Überwachung von geldwäscheverdächtigen Transaktionen von politisch exponierten und Angehörigen" die Rede ist. Rothensteiner: "Wir haben gute Leute, aber keine Wunderwuzzis."