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Auszeit für Promi-Politik? Parteien vertrauen auf das eigene Personal

Von Walter Hämmerle

Analysen

Bis zuletzt wurde spekuliert und hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Am Ende lichteten sich die Nebel der Listenerstellung für die Nationalratswahl und die Parteien stehen nun - nein, nicht nackt, aber doch einigermaßen spärlich bekleidet da: Weit und breit kein bunter Überraschungskandidat mit Strahlkraft, der für Schwung in den verbleibenden zweieinhalb Wochen sorgen könnte. | SPÖ und ÖVP haben überhaupt verzichtet, die Wähler mit neuen Gesichtern zu verwirren; beide Großparteien haben genug damit zu tun, ihre ebenfalls neuen Spitzenkandidaten möglichst vorteilhaft ins öffentliche Bild zu rücken. Ähnlich überraschungsarm auch die FPÖ, bei der die ganze Last des Wahlkampfs ohnehin auf den Schultern Heinz-Christian Straches liegt.


Dramaturgisch brillant, wenngleich wahltaktisch wahrscheinlich kontraproduktiv, agierten die Grünen: Sie boten dem staunenen Publikum mitten im Wahlkampf eine bemerkenswerte Selbstinszenierung, bei der die verantwortliche Wahlkampfmanagerin Michaela Sburny von den Basisdelegierten abgeschossen wurde. Im Gegenzug hievte der Grünen-Bundeskongress mit Alev Korun eine in der Türkei geborene Österreicherin an aussichtsreiche Stelle auf die Bundesliste und bescherte dem unverwüstlichen Peter Pilz "five more years".

Neben den Grünen bemühte sich auch das BZÖ, die Öffentlichkeit zu unterhalten und die Mitbewerber zu ärgern. Dass Ewald Stadler nun für Orange antritt, ist eine interessante Fußnote im internen Zwist des Dritten Lagers, zu einer relevanten Wählerwanderung wird das aber kaum führen. Selbiges gilt für den Wechsel der weithin unbekannten Ex-FPÖ-Geschäftsführerin Martina Schenk zum BZÖ. Und die Kandidatur eines Kärntner Betriebsratschefs und Ex-SPÖ-Mitglieds, Klaus Kotschnig, ist allenfalls ein kleiner Stachel im Fleisch von Sozialdemokratie und Gewerkschaft - mehr nicht.

Das Fehlen bekannter Namen ohne offensichtlichen Bezug zu Politik entspringt einem Lernprozess - und zwar auf beiden Seiten. Unter Prominenten hat sich herumgesprochen, dass Bekanntheit allein einem in der Politik nicht weiterhilft. Noch dazu hebt ein solcher Quereinstieg in die Niederungen der Innenpolitik derzeit nicht gerade das eigene Sozialprestige.

Und auch die Parteien haben - durchaus schmerzhaft - die Erfahrung gemacht, dass ihnen prominente Namen allenfalls kurzfristig nützen, langfristig jedoch ein unkalkulierbares Risiko darstellen.