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Autobauer setzen auf Nischen

Von Marion Trimborn

Wirtschaft

Branche sucht auf IAA in Frankfurt Wege aus der Krise. | Renaissance bezahlbarer Cabrios. | Premiere für die Chinesen. | Frankfurt. (dpa) Die höchsten Spritpreise in der Geschichte, ein enormer Kostendruck und drohender Stellenabbau machen den Autoherstellern derzeit das Leben schwer. Am deutschen Markt tobt wie auch anderswo eine ruinöse Rabattschlacht. Den Weg aus der Krise suchen die Autobauer in einer Vielzahl neuer Modelle, die den Geschmack jedes Kunden treffen und den Absatz ankurbeln sollen. "Ab in die Nische" könnte das Motto der Internationalen AutomobilAusstellung IAA (15. bis 25. September) lauten, die gestern, Montag, mit Pressetagen in Frankfurt begann. Die Branche stellt dort 77 Neuheiten ins Rampenlicht. Für das Publikum ist die Schau ab Samstag geöffnet.


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Bei einem Durchschnittsalter der Wagen auf Deutschlands Straßen von 7,8 Jahren haben die Käufer Nachholbedarf. "Angesichts sinkender Margen müssen die Hersteller ihren Absatz steigern", sagt Autoanalyst Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank (HVB). "Mit Nischen-Produkten bringen sie die Leute am ehesten dazu, Geld auszugeben." Auffallend ist auf der IAA die Renaissance bezahlbarer Cabriolets. Opel führt mit dem Astra Cabrio, der um die 25.000 Euro kosten soll, nach dem Tigra Twin Top bereits das zweite Modell mit Stahldach vor. Konkurrent VW zeigt den lang erwarteten Golf-Cabrio-Nachfolger, der Anfang 2006 erhältlich sein wird.

Audi erstmals mit Geländewagen

Mit Geländewagen und Stil-Mix (Crossover) wollen die Hersteller Käufer faszinieren. Die Verbindung zwischen Luxuslimousine und sportlichem Geländewagen markieren die Mercedes R-Klasse und der erste Geländewagen der VW-Tochter Audi Q7, der über eine Rückfahrkamera verfügt. Basis für das Audi-Modell ist der VW Touareg. "Damit die Autobauer bei der Modellvielfalt ihre Kosten im Griff halten, müssen sie auf gleiche Komponenten und Plattformen zurückgreifen", sagt Autoexperte Eric Heymann von der Deutschen Bank. Zu einem extrem niedrigen Preis ab 15.000 Euro bringt der chinesische Autobauer Jiangling den Geländewagen Landwind auf den deutschen Markt, der sich an den alten Opel Frontera anlehnt.

Die Chinesen feiern auf der diesjährigen IAA ihre Premiere. Was vor 35 Jahren die Japaner waren und vor 15 Jahren die Koreaner, wollen jetzt die Chinesen mit den weitgehend unbekannten Namen Geely, Brilliance und Jiangling werden. Branchenexperten prognostizieren den Chinesen in Europa in fünf Jahren einen Marktanteil von 1,5%. "Die Chinesen bieten Autos an, die so groß sind wie ein Passat und so günstig wie ein Golf - das wird ankommen", sagt Autoanalyst Denninghoff.

Hybridantrieb und Diesel im Vormarsch

Getrieben von den Rekord-Benzinpreisen wird auf der IAA auch die Hybrid- und Diesel-Welle rollen. Auf jedem Stand werden Wagen mit Diesel-Partikelfiltern zu sehen sein. Hybrid-Fahrzeuge kombinieren einen Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor und sparen vor allem im Stadtverkehr rund ein Drittel Kraftstoff. "Wegen der hohen Ölpreise rechnen wir im Jahr 2010 weltweit mit 74 Modellen und einer Gesamtverkaufszahl von rund einer Million Hybridfahrzeugen", lautet die Prognose der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers. Den leistungsstärksten Hybridantrieb wird Marktführer Toyota mit seinem Luxuswagen Lexus 450h in Frankfurt vorstellen, der 340 PS besitzt. 20% mehr Leistung als sein Vorgänger hat der Honda Civic Hybrid.

Einen besonderen Blickfang darstellen werden auf der diesjährigen IAA die neue S-Klasse von Mercedes-Benz, der Porsche Cayman und die Kombis von VW-Passat und 3er BMW. Bedeutung messen Experten auch dem Kleinwagen Punto zu, der den kriselnden italienischen Autohersteller Fiat wieder in die Gewinnzone zurückbringen soll. Pfiffig sind Studien wie der kugelrunde Moovie des französischen Autobauers Peugeot.