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Autofocus statt Weltfocus

Von Ina Weber

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Brachial hat sich der ORF ein Stück Sendezeit herausgerissen für ein Thema, welches ebenfalls von brachialer Obsoleszenz strahlt: das Auto. Nicht etwa das Auto, welches ohne Schadstoffe fährt, oder das Auto, das in zehn Jahren völlig recycelt ist, steht dabei im Mittelpunkt, nein, vielmehr gleicht die wöchentliche Sendung einer Werbeeinschaltung, die schlicht und einfach zeigt, was ein Auto heute so alles kann. Alle Auto-Fans, genialen Erfinder und brillanten Konstrukteure in Ehren - wer braucht das? Wer ein Auto bereits hat, hat eines, wer eines braucht, kauft sich eines, wer keines braucht, kauft sich ohnehin keines. In einer Welt, die vor Schmutz schwarzsieht, im Müll erstickt und in vielen Großstädten die Menschen mit Schutzmasken vor dem Mund unterwegs sind, widmet sich der ORF dem Auto in seiner Pracht.

Ein zufriedener Vater am Steuer, eine lächelnde Mutter, die einen Blick zu ihren toll aussehenden Kindern wirft, die wiederum quietschvergnügt den großen Innenraum des Blechgehäuses genießen, das schnittige Auto, welches sich so sicher in die Kurven legt . . . die redaktionelle Sendung "Autofocus" des ORF gleicht jeder Auto-Werbung. Wäre da nicht die Sprecherin im Off, die mit ihrer bekannten Stimme auch "Weltjournal"-Beiträge spricht, man käme nicht auf die Idee, dass es sich hier um keine Werbung handelt. Und natürlich gibt es noch einen Moderator: Christian Clerici, der Moderator und Motorjournalist steht aber auch schon mehr für Werbung als für redaktionelle Sendungen.