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Automatischer Jugendschutz

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Unter 16 gibt es auch vom Automaten keine Zigaretten. | Umstellung in der Silvesternacht. | Wien. In der Neujahrsnacht ist es soweit: Punkt Null Uhr sollen alle 6000 öffentlich zugänglichen Zigarettenautomaten im Land für alle unter 16-Jährigen gesperrt werden. Rund 90 Prozent aller Automaten sind derzeit bereits mit der elektronischen Sicherheitsschranke ausgestattet, die restlichen werden bald folgen, berichtete das Bundesgremium der Tabaktrafikanten der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.


Und: EU-Verordnung hin, Jugendschutzbestimmungen der Bundesländer her - "wir haben diese Initiative vor drei Jahren freiwillig gestartet, der Jugendschutz ist uns ein Anliegen", so Gremiumsobmann Peter Trinkl. Die Branche habe sich das auch viel kosten lassen: Für die Umrüstung eines Automaten musste der Trafikant 1000 Euro zahlen, ein neuer Automat kam ihn auf rund 4000 Euro zu stehen.

6.000 Automaten in ganz Österreich können ab 1. Jänner 2007 nur mehr mit einer Bankomatkarte oder per SMS - von einem Vertrags-Handy aus - entriegelt werden.

Jede Karte mit Kennung "Jugendschutz"

Ist der Automat entriegelt, kann der Kunde weiterhin auch mit Bargeld zahlen. Wer gleich mit der Bankomatkarte zahlen will, muss das Quick-Konto aufgeladen haben. "Diese Lösung ist echt super, da geht das Bezahlen wahnsinnig schnell", betonte Ewald Judt vom Projektpartner Europay: "Praktisch jeder im Land zwischen 18 und 80 hat eine Bankomatkarte".

Seit 2004 wird jede neu-ausgestellte Karte mit einem eigenen "Jugendschutz-Kennzeichen" ausgestattet: "Bei Jugendlichen unter 16 ist zu deren Schutz das Geburtsdatum vermerkt", auf den restlichen Karten finde sich - aus Datenschutzgründen - lediglich die Kennung "berechtigt", erklärte Judt.

Bei 15 Prozent der 6,8 Millionen Karten werde schon derzeit die "Quick-Funktion" zum bargeldlosen Bezahlen genutzt, darunter 2006 schon mehr als eine Million mal beim Zigarettenautomaten. Judt erwartet, dass in Zukunft die Nutzung des "elektronischen Kleingeldbörsels" stark zunehmen wird.

Umsatzrückgänge durch die Umstellung erwartet Trinkl kaum - "wir sehen die Jugendlichen schon jetzt nicht als Tabakkunden". Einbußen erwartet er nur in den Tourismusgebieten, "weil ausländische Besucher den Automaten nicht entriegeln können".

Gut fünf Prozent ihres jährlichen Tabakwarenumsatzes von 2,2 Milliarden Euro machen Österreichs Trafikanten via Automaten. Probleme durch die Umstellung erwartet Peter Leimer, Geschäftsführer von Tobaccoland, dem größten Tabakwaren-Großhändler in Österreich, nicht. Tobaccoland habe schon in Deutschland mit der Umstellung von mehr als 100.000 Automaten Erfahrung gesammelt.

Neben den Automaten sollen auch die Trafikanten selbst ihre Kunden strenger kontrollieren, mahnte Trinkl schließlich die "lückenlose Durchsetzung des Jugendschutzes" ein. Problematisch sei die von Bundesland zu Bundesland verschiedene Rechtslage: Während es in Niederösterreich Kindern verboten sei, als "Erfüllungsgehilfe" Zigaretten für die Eltern zu kaufen, gebe es in Wien dazu kein entsprechendes Gesetz.