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Autos: China überholt die USA

Von Andreas Landwehr

Wirtschaft

Derzeit boomt der Absatz wie noch nie. | Steuernachlässe als Kaufanreiz. | Peking. (dpa) Noch heuer wird China die USA als bisher größten Automarkt der Welt überholen - und das trotz Wirtschaftskrise. Der Absatz ist durch das Konjunkturprogramm und Steuernachlässe für kleinere Autos massiv angekurbelt worden. "Der chinesische Pkw-Markt erlebt einen Boom mit teilweise über 30 Prozent Wachstum", berichtet der China-Chef von VW, Winfried Vahland. "Selbst in den besten Jahren hat es das nicht gegeben."


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Alle drei vor Ort produzierten Marken des chinesischen Marktführers - Volkswagen, Audi und Skoda - erzielten Absatzrekorde. "Wir sind derzeit ausverkauft und arbeiten daran, unsere Produktionskapazitäten zu erweitern", so Vahland, der in diesem Jahr mit einem "gut zweistelligen" Wachstum für VW rechnet.

Anstelle einer Abwrackprämie wie in Österreich, Deutschland oder den USA hat in China besonders eine Halbierung der Verkaufssteuer auf fünf Prozent für Autos mit weniger als 1,6 Liter Hubraum den Absatz gefördert. Der Verkauf von Kleinwagen stieg im ersten Halbjahr um 45 Prozent. Vor allem im rückständigen Westen Chinas, der noch viel Nachholbedarf hat, war die Nachfrage groß. Die Regierung rechnet damit, dass bis Jahresende 12 Millionen Fahrzeuge verkauft werden, ein Anstieg um 28 Prozent. In den USA dürften es nur 10 Millionen sein.

Viele Luxusschlitten

Obwohl große Limousinen von der Förderung ausgenommen sind, läuft das Geschäft auch für Mercedes rund. "Wir blicken sehr positiv auf den gesamten Automarkt in China", sagt Ulrich Walker, Daimler-Chef für Nordostasien. Die Stuttgarter verkauften in den ersten sieben Monaten 49 Prozent mehr und wollen auch ihre Kapazität ausbauen. "China wird ein immer wichtigerer Pfeiler." Schon heute sei das Reich der Mitte der fünftgrößte Markt für Mercedes. Noch 2007 rangierte China auf Platz 14.

Nirgendwo auf der Welt werden heute so viele Luxusschlitten der S-Klasse verkauft, obwohl sie immerhin zwischen 930.000 und 2,6 Millionen Yuan (umgerechnet 95.000 bis 266.000 Euro) kosten. Aber auch hier profitiert der Absatz indirekt vom Konjunkturprogramm, das für reichlich Liquidität sorgt. Dieses Programm hat den Aktienmarkt beflügelt und den Anlegern schöne Kursgewinne beschert. Walker: "Unsere Kunden verdienen Geld."

Allerdings wird das Geld in China nicht ewig sprudeln. Die massive Kreditvergabe der Banken wird bereits langsam zurückgefahren. Die Regierung warnt angesichts der rapiden Expansion der Autoindustrie vor Überkapazitäten. "Wenn das Marktwachstum angesichts ausbleibender Anreize und Ungewissheit über die Zukunft langsamer wird, könnte es sehr wahrscheinlich zu einem Überangebot kommen", warnt Chen Bin von der Reform- und Entwicklungskommission.

Vor weiterem Wachstum

VW-Chef Vahland lässt sich nicht beirren: "Wir glauben, dass der chinesische Pkw-Markt auch 2010 weiter wachsen wird, aber langsamer als 2009." Immerhin gibt es in China bisher nur 34 Fahrzeuge pro 1000 Einwohner (zum Vergleich: In Deutschland sind es 575). Auch verweisen Marktforscher darauf, dass Chinas Wirtschaft nicht nur in der Krise ein Wachstum von 7 bis 8 Prozent erreiche, sondern auch künftig stetig wachsen werde. Wegen der riesigen Zahl der Verbraucher, des erwarteten Anstiegs der Einkommen und der veränderten Lebensweisen sagt eine jüngste Studie einen Absatz von 16 Millionen Autos für das Jahr 2012 in China voraus.