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Axel Corti -ist tot und lebt

Von Reinhold Aumaier

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Bei Hofmannsthal waren es zwei Charaktere, die den jeweili- gen Theaterstücken die Titel gaben. Axel Corti war beide zu- gleich: der Schwierige und der Unbestechliche. Ein Mammutprogramm für ein nicht allzu langes Leben. Wie er es gemeistert und was er als Privatmensch und Künstler bewirkt bzw. versäumt hat, hörten wir mittwochs auf Öl. In "Von Tag zu Tag" waren seine Witwe Cecily und Werkkenner Schmidt-Dengler zu Gast. Wir erfuhren von seinem Hass des Ungefähren und der Liebe zum Genauen. Sein berühmtester Filmheld, Franz Jägerstätter, sei, so Frau Corti, für ihn Symbolfigur gewesen. Er selber war laut Schmidt-Dengler Symbolfigur als Künstler, als Repräsentant einer Möglichkeit, Literatur und Texte auf verschiedene Art rüberzubringen. Mit dem "Schalldämpfer" sei ihm die Rettung des Feuilletons für den Rundfunk gelungen. Eine Stimme, die Stellung bezieht, sei er gewesen, hieß es da aus erstem Mund. Schwupps, griffen wir zum Buch der chinesischen Astrologie - und da steht über den 1933 geborenen Wasser-Hahn schwarz auf weiß: "Ein wortgewaltiger Schreiber und fesselnder Redner . . ." Allein dieser Halbsatz erklärt die Aussage einer Anruferin wie auch unser Gefühl beim Wiederhören dreier über den Ö1-Tag verstreuter "Schalldämpfer": Seine Stimme sei ihr präsent, doch nicht mehr das, was er gesagt habe. Genau deshalb hat man eine MC eingelegt. Und höre da: mit seinem Timbre und seinem rhetorischem Überengagement hatte er seine Texte tatsächlich um einiges an Wirkung beraubt. Doch allein die Folge namens "Die Mächtigen und die Kunst" wird man immer wieder anhören, um die zeitlose Treffsicherheit des Schwierigen und bedeutenden Zeitgenossen wieder aufleben zu lassen. Nachlass und -wirkung sind ebenso einzigartig wie bestens dokumentiert.