Zum Hauptinhalt springen

Ayurveda-Brot und entschärfte Situationen

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft

Was weibliche Führungskräfte besser können als männliche Kollegen. | Familienbetrieb als Karrierechance. | Wien. "Am liebsten sage ich es älteren Vorständen kräftig rein, was ich so von ihnen halte. Dann lächle ich dazu, und es passiert nichts." Das ist für Charlotte Eblinger ein Weg, damit umzugehen, dass sie in ihrer Branche als Frau, die noch dazu jünger ausschaut, als sie ist, oft nicht ernst genommen wird. Dabei ist Eblinger bereits seit 2005 neben ihrem Vater Geschäftsführerin der Personalberatung Eblinger & Partner.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Da stellt sich die Frage, ob Frauen in Spitzenpositionen noch immer so selten sind, dass sich das Umfeld nur schwer daran gewöhnen kann. Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Dichtl glaubt, dass das "ein gesellschaftliches Thema" ist. Ihr sei es schon ein, zwei Mal passiert, dass sie bei einem Termin mit einem Geschäftsführer für dessen Assistentin gehalten wurde. "Das war aber den anderen peinlicher als mir", meint Stein-Dichtl lachend.

Für sie war mit Ende ihres Jusstudiums klar, dass sie den Familienbetrieb übernehmen wollte - allerdings nicht so bald, wie sie es letztlich musste. Als ihr Vater plötzlich starb, hat Stein-Dichtl mit 27 Jahren das Ruder im Manz-Verlag in die Hand genommen. Ihr jüngerer Bruder hat zwar auch Interesse angemeldet, "nur war er damals noch nicht mit dem Studium fertig - das galt als Voraussetzung, um den Familienbetrieb zu übernehmen", sagt die Manz-Geschäftsführerin. Somit sei klar gewesen, dass die ältere Schwester die Nachfolge antritt. Heute teilen sich die Geschwister die Geschäftsführung, nachdem auch Stein-Dichtls Bruder sein Studium abgeschlossen und Berufserfahrung gesammelt hat.

Kein Zuckerschlecken

Wer einen Familienbetrieb übernimmt, sollte vorher unbedingt Berufserfahrung in anderen Unternehmen sammeln, findet Anette Klinger, Geschäftsführerin der IFN-Beteiligungs GmbH und Aufsichtsrat der IFN-Holding AG. "Ich empfehle jedem Nachfolger, noch woanders zu arbeiten und sich dort Lorbeeren zu holen, weil diese in den ersten zwei, drei Jahren im Familienunternehmen ordentlich abgepflückt werden", erzählt Klinger.

Sie selbst hat diese Erfahrung gemacht, als sie als einzige Frau neben ihren zwei Cousins die Leitung des Bauelemente-Familienbetriebs übernommen hat. "Es war für mich ein Schock, als ich ins Unternehmen kam und die ganze Zeit gehört habe, was ich nicht kann", sagt sie.

Mittlerweile wissen ihre Mitarbeiter ganz gut, was sie kann - "ausgleichen und übersetzen, das grobe Männliche aus der Sprache herausnehmen oder Situationen entschärfen" - Eigenschaften, in denen sie manchen Männern überlegen ist. Auch "zuhören und Fragen stellen ist eher weiblich", findet Stein-Dichtl, "und ich weiß, dass ich das durchaus so einsetzen kann". Ihre Mitarbeiter hätten sie darauf schon angesprochen.

Der weibliche Touch, den Doris Felber als Geschäftsführerin der Bäckerei Felber in das Unternehmen gebracht hat, ist die Idee des Ayurveda-Brots, das gerade entwickelt wird. "Der Gesundheitstrip ist meistens etwas Weibliches", findet Felber.

Einig sind sich die Damen, dass sie nicht dort wären, wo sie jetzt sind, hätten sie nicht einen Familienbetrieb übernommen. "Die Karriere hätte ich nie gemacht, weil ich mit 20 ein Kind bekommen habe", erzählt Eblinger. Auch Stein-Dichtl hätte nie so früh eine Spitzenposition eingenommen, sagt sie. Trotzdem: "Es ist nicht so, dass man deshalb weniger leisten muss".

* Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge durch Frauen

unter http://euf.sichtart.at *