Zum Hauptinhalt springen

BA-CA: Ab April gilt neues Schema

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Für die 10.650 Mitarbeiter der Bank Austria (BA-CA) gilt ab 1. April ein neues Dienstrecht. Dieses präsentierte der Vorstand gestern. Betriebsratsvorsitzende Hedwig Fuhrmann ist zwar mit zwei Punkten nicht einverstanden: Sie fordert weiterhin die Pragmatisierung von 2.300 Anwärtern, außerdem ist sie mit den Übergangsregelungen noch nicht zufrieden. Den angedrohten Streik dürfte es vorläufig dennoch nicht geben.


Abermals hat der BA-CA-Vorstand den Betriebsrat überrumpelt. Im Aufsichtsrat (AR) wurde das neue Dienstrecht abgesegnet, zwar ohne Zustimmung der Belegschaftsvertreter, doch von Arbeitskampf ist wie noch zuletzt nicht mehr die Rede. Fuhrmann fühlte sich anscheinend über den Tisch gezogen und kritisierte nach der AR-Sitzung "die einseitige Vorgangsweise" des Vorstandes.

Sie muss das Papier aber gezwungener Maßen akzeptieren, da ihr der Vorstand in vielen Fragen entgegengekommen ist. Dass der Betriebsrat wegen der Pragmatisierung von 2.300 Mitarbeitern einen Streik vom Zaum brechen wird, schließt BA-CA-Direktor Erich Hampel aus. Er will die Streitfrage vom Obersten Gerichtshof entscheiden lassen.

Fest steht, dass die Dynamik der Gehaltssteigerungen mit dem neuen Schema gebremst wird. Auch Zulagen und Prämien sollen nicht wie bisher großzügig verteilt werden. Das Motto des Vorstandes lautet "weniger Automatik, aber mehr Bonus für Leistung". Damit werden die Mitarbeiter künftig mehr als bisher strenge Vorgaben erfüllen müssen, um überhaupt Anspruch auf eine Bonifikation zu haben. Hampel erwähnte gestern vor Journalisten, dass der Bonus für 2004 gegenüber dem Jahr davor um 70% steigen und daher 34 Mio. Euro ausmachen wird.

Bonus nicht für alle

Dieses "Motivations-Zuckerl" soll bereits im April an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden und "ist ein wichtiger Teil der Dienstrechtsreform", wie Personalvorstand Wolfgang Haller betonte. Doch nicht jeder wird in den Genuss der Belohnung kommen, das stellte Hampel gestern auf Anfrage der "Wiener Zeitung" klar. "Nur wenn die Leistung stimmt." Diese werde von neu zu definierenden Parametern und der Beurteilung des Vorgesetzten abhängen.

Das Dienstrecht bringt eine Menge bitterer Pillen für die Mitarbeiter: Die Arbeitszeit wird von 37 auf 38 Stunden pro Wochen erhöht, bis zu 3 Urlaubstage werden gestrichen. Weiters gibt es Kürzungen bei Sozialzulagen, Jubiläumsgeld, Abfertigungen und der Entgeltzahlung im Krankheitsfall. Doch den meisten Verschlechterungen habe der Betriebsrat längst zugestimmt, so der Vorstand. Schwieriger wird sich die Überleitung der Mitarbeiter ins neue Schema gestalten. Die Frist beträgt je nach Dienstdauer zwischen einem und 10 Jahren. Hampel geht davon aus, dass sich die Kürzung der Einkommen spätestens in der Bilanz 2007 niederschlagen muss. Einen konkreten Betrag wollte er allerdings nicht nennen.

Fuhrmann will sich jedoch nicht damit abspeisen lassen, sie verlangt detaillierte Zahlen und will die Bereiche genannt bekommen, in denen eingespart wird. "Wir sind alle in einer Bank. Und in einer Bank kann man rechnen. Ich kann doch berechnen, was eine Arbeitszeitverlängerung um eine Stunde bringt", empört sich die Betriebsratschefin. Der Betriebsrat hatte bisher vom Vorstand verlangt, er müsse selbst auf einen Teil seiner hohen Gage verzichten, um glaubwürdig zu sein. Diese Forderung wies Hampel gestern zurück. "Bei den Maßnahmen handelt es sich nicht um Jobabbau, wie er sonst vorgenommen wird," begann der BA-CA-Vorsitzende mit seiner Begründung.

Außerdem hätten die Managergagen "den Gedanken des Bonus bei besonderen Leistungen schon vorweggenommen". Auch Fuhrmann wartet auf das OGH-Urteil: "Dann müssen wohl wesentliche Teile des Pakets wieder aufgeschnürt und verhandelt werden."