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Babylätzchen statt Bürokrawatte

Von Petra Tempfer

Politik
"Schlaf, Kindlein, schlaf" aus dem Kopfhörer? Mit Bildern wie diesen und unter dem Motto "Echte Männer gehen in Karenz" wird für mehr Väter in der Kinderbetreuung geworben.
© BKA

Aktueller Anteil der Väter in Karenz soll bis 2015 auf 20 Prozent steigen.


Wien. Männer in Lederhosen, Männer im Anzug, Männer in T-Shirt und Jean - und alle mit einem pausbackigen Baby im Arm: So sehen die neuen Plakate aus, mit denen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek für Väterkarenz wirbt. Aktuell seien etwas weniger als fünf Prozent aller Kindergeldbezieher männlich. Ziel seien 20 Prozent bis zum Jahr 2015. Die Kampagne mit Plakaten, Flyern, Kino- und Fernsehspots, durch die diese Steigerung erreicht werden soll, ist die zweite ihrer Art. Die erste unter dem Motto "Echte Männer gehen in Karenz" lief 2010: Damals waren es ein Rocker und sein Baby, die auf Plakaten Männer für die Kinderbetreuung begeistern sollten.

Vor dieser ersten Kampagne lag der Anteil der männlichen Kindergeldbezieher laut Heinisch-Hosek bei drei Prozent, danach sei er gestiegen und schließlich wieder eingebrochen. Aktuell würden die Kurzvarianten von zwei bis vier Monaten Väterkarenz am häufigsten in Anspruch genommen (elf Prozent beim Modell 12 plus 2 Monate, 9 Prozent bei einkommensabhängiger Variante). Im internationalen Vergleich liegt Österreich bei der Väterquote in der Karenz im unteren Durchschnitt, so Heinisch-Hosek. Die Spitzenposition nehme Norwegen ein, wo 89 Prozent der Väter in Karenz gehen. In Deutschland seien es 26 Prozent.

Um den Vätern in Österreich den Schritt in die Karenz zu erleichtern, waren 2010 fünf unterschiedliche Bezugsvarianten, darunter das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld, eingeführt worden - die 20-Prozent-Marke hatte man sich schon damals zum Ziel gesetzt. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass laut Familienministerium dieses Ziel ohnedies bereits erreicht - und bei einigen Kinderbetreuungsgeld-Varianten sogar überschritten worden ist.

Väterbeteiligung ist laut Familienministerium höher

Kolportiert das Familienministerium doch ganz andere Zahlen als das Frauenministerium zum Thema Väterkarenz. Als Reaktion auf Heinisch-Hoseks Kampagne heißt es: "Österreichs Väter beteiligen sich erfreulicherweise deutlich stärker an der Kinderbetreuung als es vom Frauenressort dargestellt wurde. Denn laut der vom Familienministerium bei den Gebietskrankenkassen laufend erhobenen Auswertung liegt die Väterbeteiligung am Kinderbetreuungsgeld im Schnitt schon jetzt bei 17 Prozent. Diese Zahl ist entgegen den heute getätigten Aussagen nicht gesunken."

Bei den Varianten 12 plus 2 Monate und 15 plus 3 Monate betrage die Väterbeteiligung sogar 31 Prozent, in der einkommensabhängigen Variante rund 27 Prozent. "Damit wurde das bei der Einführung formulierte Ziel von 20 Prozent übertroffen", betont das Familienministerium.

"Unsere Zahlen stimmen, sie stammen aus dem Monat September", rechtfertigt sich Ursula Bazant, die im Frauenministerium für den Arbeitsmarkt zuständig ist, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Familienministerium rechne ebenfalls richtig, betrachte aber den Gesamtanteil der Männer über einen Zeitraum von einem Jahr - wodurch die Tatsache, dass die meisten Männer nur für wenige Monate in Karenz gehen, keinen Niederschlag finde. "Genau dieser Punkt ist aber wesentlich", so Bazant, "es wäre wichtig, dass auch Männer länger in Karenz gehen."

Nach Ansicht des Familienministeriums hingegen ist eine Monatsstatistik eine "wenig aussagekräftige Momentaufnahme". Richtig sei, jeden einzelnen Kinderbetreuungsfall heranzuziehen.

Grundsätzlich wurde es von mehreren Seiten begrüßt, dass Heinisch-Hosek eine Kampagne zur Ankurbelung der Väterkarenz startete. Laut den Grünen etwa müsse beleuchtet werden, warum noch immer so wenige Väter in Karenz gehen. Gleichzeitig warnten sie aber vor einer "Ankündigungspolitik" Heinisch-Hoseks.

Der ÖVP-Arbeitnehmerbund ÖAAB schlug indes vor, dass Mutter und Vater unmittelbar nach der Geburt bis zu drei Monate lang das Kinderbetreuungsgeld parallel beziehen können - indem Bezugsmonate, die ohnedies zustehen, vorgezogen werden.

Wissen

Seit 1. Jänner 2010 können Eltern aus fünf Varianten des Kindergeldes wählen:

30 plus 6 Monate (durch den zweiten Partner), 436 Euro

20 plus 4 Monate, 624 Euro

15 plus 3 Monate, 800 Euro

12 plus 2 Monate, 1000 Euro

Einkommensabhängiges Kindergeld mit 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, 12 plus 2 Monate, mindestens 1000 und maximal 2000 Euro.

Ein Zuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze ist bei jeder der fünf Varianten möglich.