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Backhausen: Vom Gläubiger zum Mitbesitzer

Von Simon Rosner

Wirtschaft

Investorengruppe Cudos um Ex-Kanzler Gusenbauer hält Mehrheit.


Wien. "Es begann 1810." So steht es in der Firmenchronik des Stofffabrikanten Backhausen, und so fangen die meisten Erzählungen an. Es begann also mit dem Umzug des Webergesellen Franz Backhausen von Köln nach Wien, 39 Jahre später gründeten seine Söhne jenes Unternehmen, das Österreichs textiles Äußeres so lange Zeit prägen sollte. Am Donnerstag musste die Familie Backhausen ihre Firma verkaufen.

Der in finanzielle Notlage geschlitterte Stoffhersteller Backhausen geht an eine österreichische Investorengruppe rund um Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und die Hypo Niederösterreich, die größte Backhausen-Gläubigerin. Auf Bestreben der Hypo hatte sich das Unternehmen bereits vor Monaten auf die Suche nach einem Miteigentümer machen müssen, und die Bank hatte auch gleich einen Vorschlag parat: Mohamed Bin Issa Al Jaber.

Der saudische Unternehmer mit österreichischem Pass kündigte auch bald einen Mehrheitseinstieg an, doch statt 3,2 Millionen Euro flossen nur 350.000. Wieder einmal hatte sich ein medial angekündigter Einstieg von Al Jaber in Luft aufgelöst. Die Suche nach einem Investor für das Unternehmen, dessen Fabrik seit 1870 in Hoheneich im Waldviertel steht, musste weitergehen. Und sie führte auch zum Konkursrichter. Die entscheidende Gläubigersitzung fand am Donnerstag statt.

Die Familie Backhausen suchte einstweilen weiter nach einem Sanierungskonzept und Geldgebern, um den Fortbestand des 160 Jahre alten Traditionshauses zu sichern; aber auch, um selbst an der Zukunft partizipieren zu können. Und es sah gut aus.

Mit dem Restrukturierungsunternehmen Value Management Services (VMS) und dem indischen Seidenfabrikanten Chamundi Silks hatte die Familie Backhausen ein scheinbar ideales Paket geschnürt. Doch für den einstigen k.u.k. Hoflieferanten, der die Stoffe für Staatsoper, Parlament und Musikverein sowie für die Möbel der Wiener Werkstätte produziert hatte, kam dann doch alles anders. Die Hypo lehnte das Angebot ab.

"An Hypo gescheitert"

"Vor zehn Tagen hat uns die Hypo mitgeteilt, wie wir unser Angebot abzuändern hätten. Das waren drei Punkte, und diese haben wir vollinhaltlich erfüllt", sagt VMS-Chef Paul Niederkofler. Laut Masseverwalter Wolfgang Mayrhofer habe VMS das geforderte Kapital von einer Million Euro nicht aufbringen können, doch das wird von Niederkofler heftig dementiert. "Das Geld war verfügbar, und wir sind jederzeit bereit, über unseren Rechtsanwalt den Gegenbeweis anzutreten. Es ist einzig und allein an der Hypo Niederösterreich gescheitert, die offenbar eigene Pläne betrieben hat", sagt der Sanierungsexperte.

Den Zuschlag erhielt stattdessen die BHN Sileo GmbH, an der die Bank zu 44 Prozent beteiligt ist. 51 Prozent hält die Cudos Wenti BeteiligungsgmbH um Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, Anwalt Leopold Specht und den Beratern Alon Shklarek und Andreas Frech. Weitere fünf Prozent hält die Interfides von Wirtschaftsprüfer Werner Festa und Jürgen Teubenbacher, der auch als Geschäftsführer fungieren wird. Pikantes Detail am Rande: Co-Geschäftsführer Wolfgang Lackinger war auch Mitglied des Gläubigerausschusses.

Geschäft wird zugesperrt

Im Gegensatz zum VMS-Plan werden nur die Produktion im Waldviertel sowie das Outlet in Rothneusiedl übernommen, das Geschäft in der Wiener Innenstadt wird geschlossen, die Einzelhandelssparte von Backhausen demnach gleich mit. In der Fabrik, in der rund 80 Arbeiter beschäftigt sind, sollen "60 bis 70 Arbeitsplätze" erhalten werden, wie Cudos Wenti mitteilte.

In Zukunft soll der Standort im Waldviertel dann ausgebaut werden, laut Cudos-Chef Alon Shklarek werde "massiv" in Marketing investiert, er sprach von mehreren Millionen Euro. Der Gesamtumsatz von Backhausen im Jahr 2010 betrug 11,98 Millionen Euro, bis zur Finanzkrise sei es ein gesundes Unternehmen gewesen, erklärte die Familie Backhausen.

Im Gegensatz zum Sanierungsplan der VMS ist für sie nun kein Platz mehr. "Wir waren mit Herzblut dabei und jetzt hat man uns die Firma entrissen", sagt Reinhard Backhausen, so kurz vor Weihnachten sei das "ein harter Schlag". Ganz plötzlich endet damit auch die Geschichte von Backhausen als Familienunternehmen, genau am 20. Dezember 2012 am Landesgericht Krems. Die Familienchronik muss nun ergänzt werden: "Es endete 2012."