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Badeparadies als Fässergrab

Von Katharina Schmidt

Politik

In der Alten Donau gammeln hunderte alte Fässer vor sich hin - manche von ihnen enthalten Giftstoffe.


Wien. "Wien räumt auf" - unter diesem Motto hat Umweltstadträtin Ulli Sima auch heuer wieder zur gemeinsamen Putzaktion in der Stadt gerufen. Von 22. April bis 5. Mai waren tausende Wiener damit beschäftigt, öffentliche Plätze und Straßen freiwillig von den Hinterlassenschaften des vergangenen Winters zu befreien.

Ganz besondere Relikte sollten die Helfer am letzten Tag der Aktion aus der Alten Donau bergen. Innerhalb weniger Stunden holten Taucher bei einem Steg an der Unteren Alten Donau zig alte Fässer zweifelhaften Inhalts aus dem Wasser. Als sie eine Ölspur entdeckten, informierten sie die Feuerwehr. Die unterbrach die Aktion und band die Ölspur im Wasser sowie auf dem laut Augenzeugen mittlerweile völlig verschmierten Steg. Und dann geschah etwas, das die Helfer bis heute frustriert. Die Feuerwehr hatte auch die zuständige Magistratsabteilung 45 (Gewässer) sowie die Polizei herbeigerufen. Der Magistratsmitarbeiter, der vor Ort auftauchte, war über die Reinigungsaktion nicht informiert und konnte gegenüber der Polizei nicht bestätigen, dass die Helfer ganz legal handelten.

Fazit: Gewässerwart Alexander Harnisch von der Österreichischen Fischereigesellschaft (ÖFG), der die Aktion mit 200 Freiwilligen organisiert hatte, wurde wegen "vorsätzlicher Beeinträchtigung der Umwelt" angezeigt - im schlimmsten Fall drohen dafür fünf Jahre Haft.

Der Hintergrund: Die Helfer hatten die Aktion zwar bei der MA 45 angemeldet, dort kam es jedoch zu einem "Kommunikationsproblem", wie Leiter Gerald Loew der "Wiener Zeitung" schildert. Es sei "blöd gelaufen", er habe sich aber mittlerweile persönlich bei Harnisch entschuldigt. "Es war eine ausschließlich positive Aktion." Der Beamte werde den Ermittlern erklären, dass es zu keiner Umweltgefährdung gekommen sei, "damit nehme ich an, dass die Polizei das Verfahren nicht weiter verfolgen wird", sagt Loew. Allerdings warnt er die Helfer davor, die Fässer, von denen immer noch zahlreiche in der Donau liegen, im Alleingang zu bergen und rät ihnen, die Fundstellen im nächsten Jahr nur zu markieren, die MA 45 würde sie dann mit einem Spezialboot abholen.

800 Fässer zweifelhaften Inhalts am Grund?

Genau das glauben weder Gewässerwart Harnisch noch sein Kollege und ÖFG-Vorstand Harald Ley. Denn sowohl der MA 45 als auch der Via Donau als Eigentümer sei seit Jahren bekannt, dass in dem Gewässer Hunderte - die Fischer gehen von mindestens 800 aus - alte Fässer lagern. Doch statt einer Generalsanierung in einem Schwung würden immer nur Teile der Altlasten geborgen. Daher haben die Fischer zur Selbsthilfe gegriffen und heuer nun schon zum dritten Mal Fässer in Eigenregie aus dem Wasser gezogen. "Es schaut so aus, als wollte man unliebsame Umweltschützer einschüchtern", sagt Ley über das pikante Ende der heurigen Aktion.

Dass 800 Fässer am Boden der Alten Donau vor sich hinrosten, wollen weder die MA 45 noch die Via Donau bestätigen. Für Loew sind diese Zahlen "Gerüchte". Er spricht auch nicht von Fässern, sondern von "Auftriebskörpern". In den letzten 150 Jahren hätten die Stegbetreiber leere Fässer als Schwimmkörper benutzt. Nach einem Wassereintritt sei es nahezu unmöglich, sie ohne Spezialgerät zu bergen. Also hätte man "früher" die nicht mehr funktionstüchtigen Fässer einfach versenkt. Heute sei aber das Umweltbewusstsein schon so weit gestiegen, dass dies nicht mehr vorkomme, sagt Loew. Hundertprozentig ausschließen könne man es freilich nicht. Die Fässer seien aber "zu 98 Prozent sauber", sagt Loew. Bei den 14-tägigen Wassergütemessungen "gibt es keine messbare Beeinträchtigung". Und: Manche der Fässer am Grund des Gewässers dienten sogar als Rückzugsgebiet für Fische.

Ganz so rosig sehen die Fischer die Situation nicht. Ley berichtet davon, dass unter einem 2011 gereinigten Steg nach einem Jahr bereits wieder neue Fässer gefunden wurden. "Es werden immer noch Fässer versenkt, die zweifelhaften Inhalts sind", sagt auch Harnisch. Und punktuell komme es auch zu Verschmutzungen.

Da drängt sich die Frage auf, warum nicht die Stegbetreiber zur Verantwortung gezogen werden. Laut Loew liegt das an der Beweisbarkeit: Nach Jahrzehnten könne man nicht mehr nachweisen, wer die Fässer versenkt hat. Es sei effizienter, gemeinsam mit den Stegbetreibern an der Hebung zu arbeiten. Die Via Donau führt einmal im Jahr eine solche Aktion durch. Dass man nicht alle auf einmal birgt, sei eine Kostenfrage, heißt es dort. Bis Freitag wurden an der Oberen Alten Donau 320 "Auftriebskörper" aus dem Wasser gezogen. Dabei kam ebenfalls eine Ölsperre zum Einsatz.