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Bagdader Götterdämmerung

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Spätestens als am vergangenen Wochenende mit Panzerkraft die Riesenstatuen des irakischen Diktators Saddam Hussein in den von den Alliierten eroberten Gebieten gestürzt wurden und die Bevölkerung jubelnd dabeistand, war abzusehen, dass auch der politische Sturz Saddams unmittelbar bevorstand. Saddam dürfte auch dem jüngsten Versuch, ihn bei einem Bombardement zu killen, entkommen sein und vermutlich wird er sich wie Osama bin Laden, mit dem ihn die Männer um Bush und Rumsfeld so gerne in Verbindung gebracht hätten, weiteren Zugriffen der Amerikaner zu entziehen wissen.

Die US-Armee lässt die Bevölkerung von Bagdad die ehemaligen Machtzentren plündern und ihren Zorn auf die zusammengebrochene Diktatur abreagieren. Was machen schon ein paar geklaute Computer aus, die US-Wirtschaft wird schon angekurbelt werden, wenn eine neue Verwaltung neue Geräte braucht.

Das Ende des Saddam-Regimes ist mit dem Fall von Bagdad praktisch besiegelt. Dem Diktator wird außer seinen Getreuen niemand nachweinen. Aber es wird sich doch die Frage stellen, warum dieser Krieg eigentlich geführt wurde. Massenvernichtungswaffen sind bisher keine aufgetaucht. Auch die immer wieder zitierten Chemiewaffen wurden von den Irakis nicht eingesetzt. Und Saddams behauptete Verbindungen zu bin Laden entsprechen mehr Washingtons Traumbuch als der Realität.

Sorgen macht da schon eher die vom britischen Verteidigungsminister Geoffrey Hoon geäußerte Vermutung, dass er in Zukunft vermehrt mit Präventivkriegen rechne, mit denen gegen potenziell gefährliche Staaten vorgegangen wird. Die Auflösung jeglicher Ordnung, die wir auf den Bildern aus Basra und Bagdad mitverfolgen können, ist nicht gerade ein ermutigendes Zeichen und ob man den Terrorismus so wirksam bekämpft, darf in Frage gestellt werden.