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Bahn frei für die ersten Akademischen Balkanologen

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft
Auf dem Weg in die EU: Rumänien und Bulgarien werden voraussichtlich 2007 beitreten. Mit Kroatien wurden erst am Dienstag die Beitrittsgespräche begonnen. sei

Wissen über Politik und Recht bis zu Religion und Kultur. | Teilnehmer profitieren von Netzwerk. | Wien. Unternehmensberater predigen es immer wieder: Im Ausland zählt nicht nur das fachliche Können, sondern auch die Fähigkeit, sich in dem Land zurecht zu finden und die Mentalität der Menschen zu verstehen. Andere Länder, andere Geschichte - auch wenn sie mit der unseren eng verwoben sein sollte.


Der Lehrgang "Interdisziplinäre Balkanstudien Wien" vermittelt nicht nur ein sehr umfangreiches Wissen über Geschichte, Politik, Wirtschaft, Recht, Umwelt, Soziologie, Kultur und Bildung, sondern fördert auch das Verständnis für die Region. "Alles, was man kennt, akzeptiert man besser, und man kann besser damit umgehen", meint auch Gertrude Hahn von der Erste Bank, die Hauptsponsor des Balkan-Lehrgangs ist. Die Erste Bank bezeichnet die Südosteuropa-Region aus unternehmerischer Sicht als ihren erweiterten Heimatmarkt. "Es ist genau der Markt, wo wir solche Absolventen brauchen", so Hahn gegenüber der "Wiener Zeitung". Der Lehrgang beschäftigt sich in erster Linie mit Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien (inklusive Kosovo) und Montenegro, der Republik Mazedonien, Albanien, Bulgarien, Rumänien sowie der Republik Moldau.

Mehr Kompetenz für Südosteuropa

Durchgeführt wird der Lehrgang universitären Charakters vom Institut für Donauraum und Mitteleuropa (IDM), das sich als Kompetenzzentrum für Südosteuropa etabliert hat. "Der Balkan-Lehrgang ist nicht nur für die Wirtschaftsszene, sondern für Österreich ein wertvoller Beitrag", betonte Erhard Busek kürzlich bei der IDM-Generalversammlung. Der ehemalige Vizekanzler ist Vorsitzender des IDM und außerdem Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa.

Qualifikation und wachsendes Netzwerk

In den nächsten Wochen werden die ersten Teilnehmer ihre zweijährige berufsbegleitende Ausbildung mit dem Titel "Akademischer Balkanologe" abschließen. Der Großteil von ihnen strebt zudem den Titel "Master of Advanced Studies" (MAS) an, für den zusätzlich noch eine Master-Theses anzufertigen ist.

Das Resümee der frisch gebackenen Balkanologen: Sie profitieren nicht nur von der guten interdisziplinären Ausbildung sondern auch von den Kontakten. Das Netzwerk, das sich zwischen den Teilnehmern, sowie den Vortragenden ergeben hat, ist für viele auch beruflich von Nutzen. Sowohl die Studenten als auch die Lehrenden stammen zum Teil aus der Region oder haben bereits beruflich am Balkan zu tun gehabt. Der berufliche Hintergrund ist bunt gemischt, die Teilnehmer kommen aus den verschiedensten Bereichen der Privatwirtschaft: Bank- und Versicherungswirtschaft, Unternehmensberatung, Journalismus, Umwelttechnik, aber auch von Ministerien, Universitäten, dem Bundesheer und aus internationalen Organisationen wie zum Beispiel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

"Es haben sich interessante Projekte ergeben", berichtet etwa Lehrgangsteilnehmerin Brigitte Bichler, die im Auftrag der Österreichischen Kontrollbank gemeinsam mit zwei Lehrgangs-Kollegen eine Marktstudie über Abfallwirtschaft erstellt. "Das Wissen über die Region hilft viel, wenn man dort zu tun hat", schildert sie ihre Erfahrungen.

Vom Nutzen der Ausbildung für die berufliche Tätigkeit ist auch Franz Krawinkler überzeugt: "Das Wissen erzeugt Verständnis für die Verhältnisse vor Ort", erklärt der derzeitige "Resource Planner" für "Field Missions" bei der OSZE. Und Brigitte Winkler-Lüth, die kürzlich den Sprung als Vertragsbedienstete ins Wirtschaftsministerium geschafft hat, meint: "Die Anstellung hab ich letztlich vor allem aufgrund des Abschlusses des Balkanlehrgangs bekommen".