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Bahngüterverkehr zieht Notbremse

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft
Probleme beim Verladen: Am Donnerstag fand die Aufsichtsratssitzung der ÖBB Holding statt. Rail-Cargo-Austria-Boss Friedrich Macher und Co-Chef Günther Riessland müssen in die zweite Reihe zurücktreten, hieß es. Foto: RCA

ÖBB inszenieren sanftes Köpferollen, betroffene Manager degradiert. | Topmanagern der Güterverkehrssparte wird Hälfte der Bezüge gestrichen. | Wien. Ein Köpferollen der besonderen Art gibt es bei den ÖBB. Das Management der gefährlich nah an einer wirtschaftlichen Katastrophe Situation entlangschrammenden Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) muss den Hut nehmen - aber eben nicht ganz. Für heuer erwarten Beobachter für die einstige Cashcow der ÖBB einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. Gerüchte, wonach es auch im Personenverkehr zu einem gröberen Umbau der Spitze kommen könnte, ließen sich zuletzt nicht erhärten.


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Die jetzigen RCA-Chefs würden nicht wie bei anderen Staatsunternehmen oder früher bei den ÖBB "mit einem Rechtsstreit oder mit einer Abfertigung" das Unternehmen verlassen, ist aus den ÖBB zu hören. Sondern sie verbleiben an anderer Stelle in der RCA. "Mit den halben Bezügen." Wobei in Bahnkreisen darauf verwiesen wird, wie schwierig derartige Einigungen mit Top-Führungskräften zu erzielen seien. Für RCA-Boss Friedrich Macher ist bis zu seinem planmäßigen Vertragsende im Dezember 2012 ein Job als Leiter der RCA-Speditionen vorgesehen. Bei Co-Chef Günther Riessland wird noch sondiert, wo und wie er die RCA künftig am besten unterstützen könnte. Riesslands Vertrag läuft noch bis Ende 2011.

"Existenzbedrohende Lage" bei Rail Cargo

Begründet wird der drastische Schritt mit den Sanierungsvorschlägen von Macher und Riessland, die zu wenig konkret gewesen seien. Eine externe Expertise habe ergeben, dass das Verfolgen des Macher-Riessland-Kurses innerhalb weniger Monate eine "existenzbedrohende Lage" für die RCA zur Folge gehabt hätte, heißt es aus den Kreisen zur "Wiener Zeitung". Zudem wird Macher vorgeworfen, er habe die ungarische RCA-Tochter Rail Cargo Hungaria (RCH, früher MAV Cargo) zu spät an die Kandare genommen. Der jüngst nicht zuletzt durch Machers Einsatz doch noch abgewendete Streik bei der RCH dürfte jedoch die Lösung, dass Macher bleiben darf, erleichtert haben.

Generell reduzieren die ÖBB die Zahl von Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern in der Gütersparte von bisher zehn auf sechs Toppositionen.

Defizitäre Geschäfte werden gekappt

Überhaupt will die Bahn an allen Ecken und Ende sparen. Das Kostensenkungsprogramm betrifft einerseits die Verwaltung inklusive einer Reduktion des mittleren Managements, andererseits die Straffung der Produktion. Lokführer, Wagenmeister und Verschieber müssten künftig besser zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter sollen "multifunktional" eingesetzt werden. Defizitäre Geschäfte - etwa im Holz- und Papierbereich - müssen drastisch eingeschränkt werden. Bahn-Chef Christian Kern spricht davon, dass in besonders krassen Fällen nur Deckungsgrade von 30 Prozent erwirtschaftet werden, diese Subventionierungspolitik anderer Branchen könne sich die Bahn nicht mehr leisten.

Ein völliger "Neubeginn" sei zu begrüßen, erklärt Peter Haibach von der Fahrgastinitiative Probahn. Ein schlankes Management arbeite oft besser als ein aufgeblähtes. Möglicherweise könnten ausländische Manager - zum Beispiel aus dem Bahnvorzeigeland Schweiz - den "Trott" bei den Bundesbahnen durchbrechen, so Haibach.