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Bald "goldenes Dreieck" der Werbung?

Von Sissi Eigruber

Europaarchiv

Urlaubsreisen, modernere Haushaltsausstattung und bessere Wohnverhältnisse - das steht laut Meinungsumfragen bei vielen BewohnerInnen Mittel- und Osteuropas auf der persönlichen Wunschliste ganz oben. Damit tut sich nicht nur für Handel und Industrie ein riesiger Markt auf, auch die Werbe- und Kommunikationsbranche profitiert von der Ostöffnung.


"Rund 16.000 Unternehmen sind in Österreich in der Werbebranche tätig, 2.000 bis 3.000 von ihnen arbeiten bereits mit Oststaaten zusammen", schätzte Konrad Maric, Europäischer Vorsitzender der Fachgruppe Werbung Wien, am Rande der euroforum:communication-Konferenz. Bei dieser pan-europäischen Veranstaltung trafen vergangene Woche in Wien Experten der Werbewirtschaft aus 30 Ländern zusammen, um über Zukunft und Chancen der Werbebranche im erweiterten Europa zu diskutieren.

Deutlich mehr grenzüberschreitende Aktivitäten als im Durschnitt gebe es direkt in den Grenzregionen, erläutert Maric im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dort würden etwa 20% der Unternehmen mit den Nachbarn kooperieren. Sei es in Form von gegenseitigen Zulieferungen von Kreativ- oder Sachleistungen (z.B. Grafiken, Druck von Werbemitteln) oder durch eigene Repräsentanzen. Größere Agenturen, wie etwa Gray oder Satchi hätten meist eigene Units im jeweiligen Land. Maric&Rinaldin arbeite mit einer slowenischen Agentur zusammen, und zwar in der Form, dass sie die Österreich-Werbung für die Kunden der slowenischen Partneragentur übernehme und die slowenische Agentur vor Ort Werbung für die österreichischen Kunden von Maric&Rinaldin betreibe.

Die Professionalität der ehemalingen Ostblock-Länder werde oft noch unterschätzt, meint Maric. Dabei sei die Werbeszene gerade bei unseren Nachbarländern Tschechien, Ungarn und Slowenien sehr gut.

Großen Handlungsbedarf sieht der Werbe-Experte im Zuge der EU-Erweiterung beim Werberecht. Im Sinne eines freien Handels will die EU auch die - bisher von Land zu Land noch sehr unterschiedlichen - Werbeverbote harmonisieren. Die Werbebranche fürchtet, dass es im Zuge dieser Neuregelungen zu einer sehr starken Regulierung kommen wird. "Es ist natürlich schlecht, wenn es in Werbeverboten endet", so Maric. Heiß umstritten sind dabei vorallem die Bereiche Lebensmittel, Tabak und Alkohol. "Wenn 'gesund' auf einem Produkt steht, dann muss das in Brüssel überprüft werden - das ist ein einormer Aufwand", fürchtet Maric zum Beispiel. Und beim Alkohol gebe es Versuche, ein totales Werbeverbot zu erreichen. Die Vertreter der Werbewirtschaft setzen daher auf Selbstregulierung und versuchen, verbindliche Standards für alle zu entwickeln und so der starken Rugulierung aus Brüssel entgegen zu wirken.

"Es könnte sich eine kreative mitteleuropäische Region entwickeln", meint Maric, "ein 'Golden Triangle of Advertising' zwischen Prag, Budapest und Wien - und natürlich auch Brünn und Györ.