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Balkan-TV

Von Momcilo Nikolic

Politik
Boban Buligovic alias Pista ist eine Berühmtheit.
© Nikolic

Durch den Community-Sender Okto ist "Pista" zur bekanntesten Figur aus der ex-jugoslawischen Community geworden.


Wien. Der Mann mit der markanten Frisur ist eine der bekanntesten Figuren aus der ex-jugoslawischen Community in Wien. Seien es Konzerte oder gutes Essen, Boban Buligovic - genannt Pista - bringt dem Fernsehpublikum die Feinheiten der Balkan-Kultur näher - inklusive der Krautrouladen Sarma und Cevapcici.

Seine Kindheit verbrachte der gebürtige Serbe in Sombor, einer Stadt in der Vojvodina. In der Straße, in der er aufwuchs, lebten 50 Kindern, die sich alle abends an einem Eck der serbischen Kleinstadt versammelten. Buligovic hat schöne Erinnerung an seine Kindheit. Sein Vater war Musiker, und auch der nun 40-jährige Moderator lernte nach der Schule, Gitarre zu spielen. "Ich habe gemeinsam mit meinem Vater musiziert, dann einige Zeit Pop-Rock à la "Riblja Corba" oder "Bjelo Dugme" gemacht, bis ich schließlich zum Turbo-Folk gekommen bin. Als schließlich dieser sinnlose Krieg angefangen hat, bin ich 1991 von meiner Mutter nach Wien geschickt worden."

Buligovics ursprünglicher Plan war es, zwei bis drei Jahre in Österreichs Hauptstadt zu verbringen und nach Kriegsende zurückzukehren. Mittlerweile sind 23 Jahre ins Land gezogen. "Anfangs war es seltsam für mich. Ich kannte kaum jemanden, einzig eine Freundin aus Sombor war für mich da. Durch sie konnte ich dann in einem Club Musik machen und mich auf Wien einlassen. Ich weiß nicht, wie lange ich es ohne Musik hier ausgehalten hätte."

Der Kontakt zu den "Einheimischen" hielt sich abgesehen von den Amtswegen in Grenzen. Die Gründe dafür sieht der Moderator dem Umfeld geschuldet, in dem er sich bewegt hat. "Damals sind ja irgendwie alle vor dem Krieg geflohen und haben sich hier getroffen. Jeder mit seiner eigenen Geschichte. Ich hatte mehr mit Jugoslawen zu tun, da ich knappe fünf Jahre meinen Unterhalt als Solomusiker verbracht habe. Da lernt man einander kennen. Deutsch zu sprechen begann ich erst, als ich als Schlosser tätig war."

Umdrehen und gehen

Fälle von Diskriminierung sind in Buligovics Leben selten vorgekommen. "Mir ist nichts Extremes passiert, nur dass mich jemand mal Zigeuner genannt hat. Eigentlich nicht Zigeuner, sondern eher in dem Kontext: Musiker ist gleich Zigeuner. Österreicher hatten ja von uns Serben ein schlechtes Bild aus den Medien. Auch wurde ich mal als ,Tschusch‘ beschimpft, aber wenn du in ihrem Land lebst, musst du einfach die Augen vor so etwas verschließen. Dreh dich um und geh."

Den Weg zu Okto fand Buligovic vor rund zehn Jahren durch seine Frau Usnija, die bei der Österreichischen Volkshilfe arbeitet. "Sie kannte als Leiterin verschiedene Projekte, darunter auch das ,Projekt Okto‘. Durch sie bin ich zur Einschulung gegangen und meine damalige Chefin Amina Handke sah wohl etwas Talent in mir. Nachdem sie mir Okto erklärt hatte, war kaum eine halbe Stunde später das Konzept für meine Sendung geboren. Dann ging alles sehr schnell." Diese Schnelligkeit beim Arbeiten - bis zur fertigen Sendung waren es gerade einmal eineinhalb Tage - haben Buligovic und seinem Kameramann den Spitznamen "Rekordmänner" eingebracht.

Dass er Moderator wurde, war zuerst gar nicht beabsichtigt. Buligovic sollte als Produzent mit dem Kameramann und Moderator mitgehen. Doch einmal fehlten fünf Minuten Bericht. Da begann Buligovic, mit einem Mikrofon die Mariahilfer Straße auf und ab zu gehen und eine Umfrage zu machen. "Ich habe gefragt, ob die Menschen unsere Sendung kennen. Die Reaktionen darauf waren derart positiv, sodass ich für mich selbst den Moderator in mir entdeckt habe. Nun mache ich das bereits schon seit mehr als neun Jahre."

"Ex-Yu in Wien" wird auf Serbokroatisch gesendet und wird nicht untertitelt, da es sich technisch und zeitlich nicht ausgeht. Buligovic sieht darin aber kein Problem. "Ich weiß, dass uns auch Österreicher mögen, denn ich erhalte viele positive Rückmeldungen. Uns verfolgen ja nicht nur Österreicher, auch Türken und Menschen aus Afrika schauen zu. Wir gehen durch diverse Lokale, da muss eigentlich nicht viel gesprochen werden, denn die Sendung erzählt sich quasi von selbst. Wer die Sprache nicht versteht, versteht uns trotzdem", sagt er. Untertitel soll es aber trotzdem einmal geben.

Buligovic sieht sich selbst nicht unbedingt als Botschafter für die Serben in Wien, glaubt aber, dass sich die Vorurteile gegenüber Ex-Jugoslawen zerschlagen haben. "Besonders in den 1990er Jahren war unser Image kein Gutes. Die Menschen trauten sich nicht, in unsere Lokale zu gehen oder mit uns zu kommunizieren. Das hat sich verändert.

Als Buligovic in Wien ankam, war es das Musizieren, das ihm geholfen hat, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden. Auch wenn er jetzt vor der Kamera steht - die Musik hat ihn nie verlassen. Er spielt ab und zu in Pubs oder Restaurants.

Und auch wenn Buligovic einst den Plan hatte, nach ein paar Jahren in seine alte Heimat zurückzukehren, so will er heute nicht mehr zurück. "Mit 17 Jahren bin ich hier angekommen, nun werde ich 40 und habe es gut hier. Wien ist meine Stadt geworden."