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Ballett - und wo bleibt die Musik?

Von Edwin Baumgartner

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Bei Balletten ist die Musik einfach lästig. Untergeordnet. Nicht der Erwähnung wert. Man braucht nur das Gros der Ballettkritiken zu lesen und weiß: Choreografie und Bewegungsreservoir der Tänzer sind interessant, uninteressant ist, was aus dem Orchestergraben tönt. Damit muss man sich abfinden, schließlich schreiben ja auch Musikkritiker bei Opernpremieren heute zumeist über die Regie. Wenn ein bedeutendes Opernhaus die Begleitmusik zu einem Ballett aber vom Band kommen lässt, ist das eine künstlerische Bankrotterklärung. Eine solche hat die Wiener Staatsoper im Ballettabend "Tanzperspektiven" abgegeben.

Ja, sicher, das Orchester hat sich bequemt, Bachs Klavierkonzert und Tschaikowskis Violinkonzert live zu spielen, und bei Philip Glass’ "Passages" mag man argumentieren, das sei eine Art Studioalbum, bei dem quasi die Einspielung das Original ist. Aber "Fearful Symmetries" von John Adams? - Das ist Orchestermusik, uraufgeführt vom Auftraggeber, dem Orchestra of St Luke’s. Sicherlich: Rhythmisch haarig, da ginge viel Probenzeit drauf, unbedankt von jenen Ballettomanen, denen es ohnedies egal ist, ob die Musik vom Band oder vom Mars oder sonst wo her kommt.

Aber nachdem jetzt der Anfang beim Ballett gemacht ist, gilt es, die nächsten Schritte zu überlegen. Wie wär’s, den Orchesterpart von Opern aufzunehmen und am Abend zum Live-Gesang abzuspielen? Statt Music minus one also Music minus many. Dann wird endlich die Regie ganz im Zentrum stehen, und Mozart, Wagner oder Strauss werden zur Fußnote. Schönes neues Musiktheater. . .