Zum Hauptinhalt springen

Ballettabend voller Kontraste und musikalischer Gegensätze

Von Verena Franke

Wissen

Die Wiener Staatsoper feierte Dienstagabend zwei Ballett-premieren: "Kadettenball" und "Duke's Nuts" sowie die Wiederaufnahme von "Die Puppenfee". Das Programm bot sowohl eine breite Palette an musikalischen Stilrichtungen als auch teilweise gegensätzliche choreographische Ansätze.

"Kadettenball" in der Choreographie von Renato Zanella (Musik von Johann Strauß) ist im Gegensatz zum Original des "Ballet Russes", durchaus "zeitgemäßer" inszeniert. So wurden zum Beispiel aus den "Kadetten" "Marine-Adjutanten" und die Handlung spielt anstatt in Wien in der Hafenstadt Triest. Dennoch blieb die ursprüngliche Handlung, nämlich die aufkeimende Liebe zwischen den Kadetten und den Schülerinnen eines Mädchenpensionats, bestehen. Die Hauptrolle Charlotte - ein aufmüpfiger Zögling des Mädchenpensionats - dargestellt von Kathrin Czerny (großartige Harmonie und Fluss der Bewegungen) - erinnert an Pippi Langstrumpf. Ihre Liebe gehört dem Kadetten-Trommler, getanzt von Tomislav Petranovic, der mit kraftvoller Eleganz eine sehr schwierige Variation bewältigte und dabei zusätzlich noch seine Geschicklichkeit mit Trommler-Sticks bewies. Eva Petters und Jürgen Wagner als "Zitat" von "La Sylphide" imponierten, vor allem Eva Petters, durch ihre Zartheit und Verletzlichkeit gepaart mit Präzisionsarbeit. Davon war das Corps de Ballet leider weit entfernt, da selbst die Formationen, wie Reihen, nicht immer klar erkennbar waren.

Die Uraufführung "Duke's Nuts" (Choreographie von Zanella, Musik von Duke Ellington), inspiriert von Tschaikowskijs "Nussknacker" ist ein eindeutiges "Solistenballett", eine gelungene Mischung aus Jazz-Isolationen und klassischer Balletttechnik. Eine schwierige Kombination bei der die tanztechnischen, unterhaltsamerweise auch die stimmlichen (nicht ganz so gelungen) Qualitäten der Tänzer zu Tage treten. Hervorzuheben ist Margaret Illmann, eine geschmeidige und, schlicht ausgedrückt, schöne Tänzerin, wie man sie leider selten sieht. Ferner fielen Eno Peci, Alessandra Pasquali, Boris Nebyla, Soko Nakamura und Mikel Jauregui durch ihre tänzerischen Fähigkeiten besonders auf.

Renato Zanella schafft es, sowohl in "Kadettenball" als auch in "Duke's Nuts" auf eine ungenierte Art und Weise eine direkte Kommunikation mit dem Publikum aufzunehmen, und dabei mit Witz und Humor die Atmosphäre aufzulockern. Auch fordert Zanella die Tänzer nicht nur in ihrem tänzerischen, sondern auch im schauspielerischen Können.

Die Ausstattung beider Ballette stammt von Christof Cremer, der seinem Stil treu bleibt, denn weniger ist oft mehr.

Als drittes Ballett ist die Wiederaufnahme der "Puppenfee" - Musik von Josef Bayer - zu sehen mit einer klassischen wienerischen Revuechoreographie. Das Bühnenbild ließ ein erstauntes Raunen, vor allem unter den Kindern, durch das Publikum gehen. Balletteleven und Profis paradierten in endlosen militärischen Formationen vor dem Publikum. Positiv betrachtet kann man "Die Puppenfee" als Zeitzeugen früherer Ballettphilosophie bewerten, und als Bühnenpraxis für die angehenden Tänzer.