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Ballkünstler der Inszenierung

Von Christoph Irrgeher

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Opernball - das bedeutet massenmedial eigentlich Jahr für Jahr das gleiche Match: Elite gegen Emporkömmling, mit anderen Worten gegen jenen Baumeister, dem es mit Miet-Prominenzen stets mehr oder minder gelingt, das Heft an sich zu reißen. Womit er, so das Lamento, die hehren Ideale dieses Balles - pardon, Künstlerballs! - besudelt, wie es veranstalterseits heißt.


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Nüchtern betrachtet ist diese Ansicht kaum haltbar. Denn eigentlich ist dieser Mann (und das ist es wohl, was die Crème de la Crème unterschwellig so echauffiert) dem "normalen" Ballbesucher artverwandt. Nur eben eine Art Karikatur. Vermögend ist er, repräsentationslüstern - nur ohne das mit einem elitären Habitus zu bemänteln.

Wer so denkt, hätte einiges gewonnen: Nicht nur, dass der Baumeister ungern nüchtern betrachtet wird. Wäre der Mann (jedenfalls abseits des Geschnatters der Boulevard-Tümpel) vom Sockel des Besonderen gestürzt, ließe sich der Ball auch in Anbetracht seiner Anwesenheit als durchwegs kunstvoller auffassen. Als ein kunstvolles Gepränge, das sich aus inszenierter Hochkultur und profaner Selbstinszenierung speist.

Wobei selbst mancher große Künstler in beiden Disziplinen Inszenierungsmeister war. Wie soll der Klaviervirtuose Franz Liszt im 19. Jahrhundert gesprochen haben? "Ein Orden geniert nur, solange man selber keinen besitzt."