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Ban im Feuer der Kritik

Von Gisela Ostwald

Politik

"Stille Diplomatie" oder Schwäche? | Autorität Bans bei Klima untergraben. | New York/Oslo. (dpa) UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon ist durch ein vertrauliches Memorandum, das seinen Führungsstil anprangert, unter Feuer geraten. Seit das Papier an die Öffentlichkeit geriet, reißt die internationale Kritik nicht mehr ab. Diplomaten in New York bemängeln seinen Führungsstil und nehmen Anstoß an seiner Person. Der 65-jährige Chefdiplomat aus Südkorea machte anfangs noch gute Miene zum bösen Spiel. Inzwischen reagiert er zunehmend gereizt auf die Vorwürfe von vielen Seiten.


Zum Vergleich mit seinem Vorgänger Kofi Annan entgegnete er sichtlich gekränkt: "Ich habe mein ganz eigenes Charisma." Dabei schwelen die Zweifel an dem UN-Chef schon seit geraumer Zeit. Nur wurden sie zunächst diplomatisch hinter vorgehaltener Hand in den Gängen des New Yorker Glaspalastes erörtert. Verärgerung über Ban herrscht unter den tausenden Mitarbeitern am Verwaltungssitz New York. Der neue Generalsekretär hatte die Reform der UNO zu einer seiner höchsten Prioritäten erklärt und versprochen, mit der Bürokratie aufzuräumen und ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. Davon sei wenig zu merken, heißt es in der Belegschaft.

Ban zu unauffällig?

Ebenso enttäuscht sind Beobachter, dass sich Bans oft steifes Auftreten selbst zur Halbzeit seiner ersten und möglicherweise letzten Amtsperiode noch nicht verbessert hat. Das könne ihn und die Vereinten Nationen um die bitter nötigen Schlagzeilen bringen, klagen Insider. "Ich bin als unsichtbarer Mann bekannt", scherzte der Südkoreaner kürzlich in einem Interview des "Wall Street Journal" und gab zu, dass auch ihm sein Bild in der Öffentlichkeit Sorgen bereite.

Dass die Kritik gerade jetzt ans Tageslicht kommt, passt Ban nicht ins Konzept. Der Besuch am Nordpol am Dienstag und der bevorstehende Klimagipfel in New York sollten seinen Ruf als oberster Klimawächter erhärten. Nun schwindet seine Autorität und erschwert es ihm vermutlich, zögernde Nationen zur Räson zu rufen und Weichen für einschneidende Maßnahmen zur CO2-Reduktion zu stellen.

Von diplomatischer Seite muss sich der UN-Chef schwere Kritik an seinen Kontakten zu autokratischen Führern in Ländern wie Burma (Myanmar), Sri Lanka und dem Sudan gefallen lassen. Als Beispiel gilt die Schlappe, die Ban mit seinem Besuch bei Burmas Führer Than Shwe erlebte. Ohne auch nur für eine einzige seiner Forderungen Gehör zu finden, musste Ban wieder abreisen.

Schwer angekreidet wurde Ban Ki-moon auch, dass er sich der Kritik an Sri Lankas Präsidenten Mahinda Rajapaksa und dessen Kriegsführung enthielt, um im Gegenzug bessere Bedingungen für die Flüchtlinge aus dem umkämpften Gebiet im Norden auszuhandeln.

"Alle Welt sieht in ihm einen Mann, der sich mit den Bösen an den Tisch setzt und am Ende mit leeren Händen wieder aufsteht", bemängelt der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth.

"Bin eigentlich hart"

Dem entgegnet Ban, dass er auf seine "stille Diplomatie" und die menschlichen Kontakte zu gescholtenen Führern wie Than Shwe baue. "Manch einer glaubt vielleicht, dass ich zu weich war", erklärt er zu seiner Defensive. "Aber ich habe mich ganz klar ausgedrückt und war gewissermaßen sehr hart."

Anfangs begegnete er der Herausforderung noch mit Humor. Beim Presseball im Dezember 2006, wenige Tage vor der Ablösung, stellte er sich singend als Weihnachtsmann vor mit "Santa Claus is Coming to Town" und erntete viel Applaus. Das Lachen ist Ban mittlerweile vergangen, und der Beifall für ihn bleibt auch aus.