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Bang blicken die Windsors nach New York

Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

Politik

Prinz Andrew in der Bredouille: In den USA droht ihm ein Prozess wegen einer Sexualstraftat.


Es hätte ein Jubeljahr für das Haus Windsor werden sollen. Im Februar jährt sich die Thronfolge Elizabeths II. zum 70. Mal. Keinem anderen gekrönten Haupt der britischen Geschichte ist es je gelungen, einen solchen Tag, ein "Platin-Jubiläum", zu begehen. Die Vorbereitungen für die Feiern zu Ehren der 95-jährigen Monarchin sind schon in vollem Gang.

Auf die Festtagslaune aber legt sich ein schwerer Schatten. Ausgerechnet der Lieblingssohn der Königin, Prinz Andrew, wird jetzt für die Königsfamilie zu einem echten Problem. Neuerdings fordern britische Kriegsveteranen, dass Andrew seine ihm verbliebenen militärischen Ehrentitel bei diversen Einheiten abgibt, um deren "stolze Geschichte nicht zu beschmutzen". Auch Wohlfahrtsorganisationen und andere Verbände, die sich einst mit seinem Namen schmückten, wollen ihn als Schirmherrn nicht länger tolerieren.

Bei Hofe wird, der königstreuen Londoner "Times" zufolge, bereits diskutiert, wie man Andrew "bei einer weiteren Verschlechterung seiner Lage" den ihm von der Mutter verliehenen Herzogstitel - den Titel eines Duke of York - entziehen könnte. In einer Karikatur der Zeitung zum Jahresende war zu sehen, wie Andrew bereits das Wasser bis zum Halse steht.

Grund für die erneute Alarmstimmung ist die jüngste Verurteilung der langjährigen Andrew-Freundin Ghislaine Maxwell in New York wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zum Zwecke sexuellen Missbrauchs der jungen Mädchen. Maxwell arbeitete, nach Überzeugung des Gerichts, mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der ebenfalls ein Freund Andrews war, Hand in Hand.

Verbindung zu Epstein

Gegen Andrew selbst hat unterdessen eine der Frauen, die offensichtlich zum Ring der Sexsklavinnen Epsteins und Maxwells gehörte, eine Schadensersatzklage erhoben. Virginia Roberts, nunmehr Virginia Giuffre, wirft dem Prinzen vor, als 17-Jährige dreimal von ihm sexuell missbraucht worden zu sein.

Sie sei dem Sohn der Queen im Jahr 2001 an drei verschiedenen Orten von Epstein "zur Verfügung gestellt" worden, hat Giuffre zu Protokoll gegeben. Und Andrew habe jeweils gewusst, dass dies gegen ihren Willen geschah und dass sie minderjährig war.

Der Prinz streitet das ab und will sich an "die Lady" überhaupt nicht erinnern können. Seine Anwälte hoffen noch immer, dass sich das von Giuffre angestrengte und für den Herbst erwartete Verfahren in letzter Minute noch stoppen lässt.

Am heutigen Dienstag soll der zuständige New Yorker Richter Lewis Kaplan darüber befinden, ob der Prozess gegen Andrew stattfinden soll. Des Prinzen Anwälte argumentieren, dass Virginia Giuffre ihr Recht auf einen Prozess durch eine vertrauliche Entschädigungsvereinbarung mit Epstein bereits verwirkt habe. Und dass ein Verfahren in New York auch sonst Unfug sei - weil Giuffre seit langem in Australien lebe und nicht mehr in den USA.

Schon seine frühere enge Verbindung mit Epstein und mit der neuerdings verurteilten Ghislaine Maxwell macht Andrew nun aber ernsthaft zu schaffen. Ein berühmt-berüchtigtes Foto, auf dem er der jungen Virginia Roberts die Hand um die Taille legt, zeigt auch Maxwell, als Gastgeberin des Treffens im Hintergrund.

Im Privatjet Epsteins, im sogenannten Lolita-Express, wollen mehrere Zeuginnen Andrew gesehen haben. Ein Zeuge soll den Prinzen außerdem am fraglichen Abend des Zusammenseins mit Roberts im Londoner "Tramp"-Nachtklub wiedererkannt haben - während Andrew angab, an diesem Abend mit seinen Töchtern in einer Pizzeria und danach daheim gewesen zu sein.

Sollte Richter Kaplan heute dem Prozess stattgeben, könnte Andrew letztlich zu einer Aussage unter Eid gezwungen werden. Bisher hat er alle Anschuldigungen gegen seine Person strikt zurückgewiesen.

Schaden fürs Königshaus

Eingeräumt hat er lediglich, dass seine frühere Verbindung zu Epstein in den vergangenen Jahren "zu einem größeren Störfaktor für die Arbeit meiner Familie geworden ist". Selbst wenn dem Prinzen der Prozess noch erspart bleiben sollte, ist der schon entstandene Schaden für die Windsors erheblich - und die Queen nach Ansicht aller Londoner Hofberichterstatter in einer "unmöglichen" Situation.

Sollte es aber zu dem Verfahren tatsächlich kommen und Andrew am Ende zu Schadensersatzzahlungen verurteilt werden, fände er sich damit eines Delikts überführt, zumindest in den Vereinigten Staaten. Am besten wäre es für den 61-Jährigen, wenn er jetzt unmittelbar und für immer "in einer Art internem Exil" in Windsor verschwände, haben Berater des Königshauses deutlich gemacht.