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Bange Hoffnung auf baldigen Aufschwung am Rio de la Plata

Von Stephanie Lob, Berlin

Wirtschaft

Warme Worte kann sich die Regierung in Buenos Aires nicht leisten: Argentinien steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte und führt derzeit schwierige Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds über seine Umschuldung. Rund 140 Mrd. Dollar (133 Mrd. Euro) schuldet das Land internationalen Gläubigern. In der Rangliste der Schuldner steht eine Gruppe ganz hinten an: Privatanleger, die Argentinien-Anleihen zeichneten.


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Alleine aus Deutschland und Itaen flossen 14 Mrd. Euro an den Rio de la Plata. Seit dem argentinischen Staatsbankrott vor gut einem Jahr liegen sie auf Eis. Ob das Geld und die fälligen Zinsen jemals zurückgezahlt werden, ist derzeit offen. Die Anleger, die um ihr Erspartes bangen, hat Argentinien nun erneut vor den Kopf gestoßen: Das bankrotte Land drohe damit, dass sich Privatleute auf einen Verlust von 90% einstellen müssten. Bereits heute wird an der Börse nur noch 20% des ursprünglichen Werts der Anleihen bezahlt.

Der IWF beharrt darauf, dass Argentinien zunächst die offenen Forderungen weltweiter Organisationen bediene. Dazu gehören vor allem IWF und Weltbank, denen Argentinien rund 35 Mrd. Dollar schuldet.

Angesichts der kommenden Umschuldungsverhandlungen mit Argentinien im April und Mai fordern deutsche Anlegervertreter nun den Schulterschluss der europäischen Privatanleger. Mit gemeinsamer Stimme könne eventuell doch noch eine 100-prozentige Rückzahlung erreicht werden. Voraussetzung sei aber, dass die Anleger eine geringe Verzinsung und eine längere Laufzeit der Anleihen in Kauf nähmen. Viele der Papiere laufen heuer und 2004 aus.

Dabei haben deutsche Anlegerschützer und argentinische Regierung eine gemeinsame Hoffnung: Dass der Wirtschaftsmotor in dem südamerikanischen Land bald wieder anspringt. Denn je schneller sich der Staat erholt, desto größer ist die Chance der Gläubiger auf eine Entschädigung.

Mit "ein bisschen Geduld" könnten beide Seiten profitieren, lautet deshalb die Parole der Deutschen Schutzvereinigung für WEertpapierbesitz (DSW), die allein 5.600 Privatnagere vertritt.