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Bangen um den "Vater Südafrikas"

Von Laszlo Trankovits

Politik
Nelson Mandela mit seiner Frau Graca Machel bei seinem Auftritt im WM-Finale in Johannesburg. Foto: reu/D. Martinez

Auftritt beim WM-Finale berührte Zehntausende im Stadion. | UNO rief den 18. Juli zum internationalen Mandela-Day aus. | Kapstadt. (dpa) Als Nelson Mandela beim Endspiel der Fußball-WM am vergangenen Sonntag in die strahlend illuminierte Arena des Soccer-City-Stadions gebracht wurde, verstummten Vuvuzelas und Schlachtgesänge. Mehr als 80.000 Fans erhoben sich ebenso wie die königlichen Häupter und Staatspräsidenten auf den Tribünen zu Ehren des Friedensnobelpreisträgers und jubelten ihm zu.


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Für viele war es der symbolträchtige Höhepunkt der WM in Südafrika, als der gebrechliche Vater der Nation, der große Versöhner und Freiheitskämpfer, für wenige Minuten dem größten Fest in der Geschichte Afrikas seinen Tribut zollte.

Der große alte Mann Südafrikas ist krank

Man sah es dem großen alten Mann, der am kommenden Sonntag 92 Jahre alt wird, an, dass ihm an diesem kühlen Abend der Besuch nicht leicht fiel. Eingemummt im schwarzen Mantel, geschützt von einer Pelzmütze, grüßte er winkend und mit seinem berühmten breiten Lächeln, in dem viele Güte und Weisheit sehen. Seine neben ihm auf dem Golfcart sitzende Frau Graca Machel enthüllte aber vor den Kameras aus aller Welt den ernsten Krankheitszustand Mandelas, als sie ihm mehrfach mit Gesten bedeutete, wie er zu winken habe.

Vielen Südafrikanern zog sich bei diesem Anblick das Herz zusammen. Neben dem Mitgefühl gibt es auch die Sorgen, was geschieht, wenn der Ex-Präsident nicht mehr leben würde. Denn auch ohne öffentliche Auftritte ist der ehemalige Freiheits- und Anti-Apartheids-Kämpfer ein wichtiger Stabilitätsfaktor in dem noch immer rassisch und sozial gespaltenen Land. Mandela ist nach wie vor das Gewissen der Nation.

Lebenswerk ist für viele Politiker Vorbild

Sein Lebenswerk inspiriert aber auch die Welt. Viele Politiker sehen in dem Friedensnobelpreisträger ein Vorbild. Der Führer der damaligen Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei ANC  verhinderte die politische Katastrophe, Blutbäder und Racheakte. Eine historische Leistung, die ihn in die Reihe der Giganten der modernen Geschichte wie Gandhi, Winston Churchill oder John F. Kennedy stellt.

Als Mandela am 11. Februar 1990 das Gefängnis verließ, war das Ende der Apartheid besiegelt, es war der Triumph seiner Willensstärke und seines Idealismus. Die ganze Welt jubelte damals dem charismatischen Freiheitskämpfer zu. 1994 wurde er erster schwarzer Präsident Südafrikas.

Dem Mann vom Stamme der Xhosa gelang es, eine zutiefst zerrissene Gesellschaft nach Jahren des Hasses auf einen Weg der Versöhnung und zum Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft zu bringen. "Das Leben von Nelson Mandela lehrt uns, dass das Unmögliche möglich ist, aber nur, wenn Menschen den Mut haben, sich für Veränderung einzusetzen", schrieb US-Präsident Barack Obama.

"Madiba", wie Mandelas Clan-Name ist, war kein Mann der Rache, auch wenn er kein Pazifist war. Der Jurist, der als junger Mann ein guter Boxer war, widerlegte vor allem die "Afro-Pessimisten", die glauben, dass aus jedem afrikanischen Befreier, einmal an die Macht gekommen, ein ziemlich lausiger Herrscher, oft aber ein gieriger und brutaler Diktator wird.

In der jüngsten Biografie über Mandela beschreibt ihn sein Vertrauter Richard Stengel als "vielleicht der letzte echte Held" - vor allem aber als einen großen Kommunikator und besonnenen Politiker, der stets an das Gute im Menschen glaube.

Diese zutiefst menschenfreundliche Haltung und sein bewundernswertes Lebenswerk haben die Vereinten Nationen veranlasst, den 18. Juli, Mandelas Geburtstag, zum internationalen Mandela Day auszurufen, damit überall auf dem Globus Menschen etwas Besonderes leisten und im Geiste Nelson Mandelas die Welt "ein Stück besser machen".